Von Landeiern zu den Stadtaffen

Von einem Einfamilienhaus auf dem Land mit 800 Quadratmeter Garten in einen Stadtwohnung, 3. Stock ohne Balkon. Dann noch ein Stadtteil, welche einen sehr hohen Migrationsanteil hat.

Einige denken, wir seinen verrückt. Das ist uns aber EGAL 😉

Wir sind nun in unserer Wohnung angekommen und haben uns schon eingelebt. Wir haben es bereits geschafft Bilder an die Wand zu hängen und es uns wohnlich zu machen. Die Kinder haben ein schönes Kinderzimmer bekommen und mögen ihr neues Zuhause. Sie schlafen sehr gut und sind ausgeglichen. Manchmal möchte Mina garnicht raus gehen auf den Spielplatz und lieber drinnen spielen, trotz Sonnenschein.

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Ich persönlich fühle mich nun entspannter. Mein Alltagsprogramm läuft schneller und kleiner ab. Die Waschmaschine ist nun mit dem Trockner im Badezimmer, wo ich bereits morgens ne Ladung waschen kann. Direkt vom Trockner lege ich die Wäsche zusammen und verräume diese in die Kommoden. Jetzt muss ich nicht mehr die Wäsche im ganze Haus einsammeln, um sie in den Keller zu bringen. Und dann mit der getrocknet Wäsche wieder zurück in das Obergeschoss zu laufen, um diese dort zu verräumen. Die Wäsche hat nun kurze Wege, wie ich auch. Und kurze Wege sind mit zwei Kleinkindern echt wichtig. Dann ist z.B. unsere Küche und Wohnzimmer EIN Raum, so dass wir immer zusammen sein können und die Kids viel Bewegungspotential haben.

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Im Haus war es so, dass unsere Wohnküche mit 14 qm fast zu klein war, denn Mina und Arno gehen selten weit von mir weg. Sie sind am liebsten immer in dem Raum, in dem ich bin. Sehr selten spielen sie in einem anderem Raum. Sprich, ich machen die Wäsche im Bad, dann sind sie mit im Bad und spielen da, ich räume die Küche auf und sie spielen im Wohnzimmer usw.

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Das Einkaufen ist nun auch aufregender wie auf dem Land, es ist eine Vielfalt hinzugekommen. Ich nutze häufig das Fahrrad oder aber die Straßenbahn. Arno sagt immer Zug dazu und ist ganz aufgeregt, wenn wir damit fahren. Unsere Ziele sind jetzt zum Beispiel der tollen Stadtmarkt mit dem viel frischem Obst und Gemüse, von einigen Bauern, die direkt liefern. Schon alleine dort hindurch zu laufen, ist eine Augenfreude. Unser neuer Lieblingsladen ist der Unverpackt-Laden Ruta-Natur, Plastikfreies Einkaufen mit eigenen Behältern. Wir nehmen leere Gläser mit, wiegen diese ab und füllen dann die Lebensmittel ab. Nudeln, Reis, Hirse auch Schokolade kaufen wir dort ein. Aber auch Geschirrspülmittel oder Öl. Alles kann dort in Glas oder mit der eigenen Verpackung gekauft werden.

Und zu allen negativen Gedanken wegen dem 3. Stock. Bis jetzt stört es mich überhaupt nicht, mit den Kindern und den Einkauf hoch zu laufen. Getränke zum Beispiel schleppt Benny hoch oder aber wir gehen auch zusammen mit dem Auto einkaufen.

Ich habe mir jetzt für unser „Stadt-Leben“ einen Schiebe-Oma-Rolly gekauft. Einen voll tollen, aus recycelter LKW-Plane von Anderson Shopper. Ein Unikat und zusätzlich als Rucksack verwendbar. Perfekt für unsere Stadtbummel zu dritt, denn einer der Beide ist meistens auf meinem Rücken in der Trage.

Einer der Hauptgründe, für unseren Umzug in die Stadt war natürlich auch der nun kurze Arbeitsweg von Benny. Er hat sein Büro in der Innenstadt und ist nun schneller im Büro und wieder zuhause. Auf eine Arbeitswoche betrachtet, macht es einen Zeit-Pendler-Unterschied von 50 %. Mina kann es immer kaum abwarten, bis ihr Papa aus der Arbeit kommt. Unser Familienleben hat nun etwas mehr an Zeit gewonnen.

Ich bin jetzt auch ganz fasziniert von Mina. Meine Sorgen rund ums Thema Radfahren in der Stadt waren die vielen Autos und Ampeln, die wir in Meitingen nicht hatten. Ob sie wohl auf mich hören würde, und ob sie mich überhaupt hört, mit den vielen Fahrzeugen und dem Lärm? Aber ich kann jetzt beruhigt sagen, dass sie so vorbildlich fährt, als hätte sie nie etwas anderes gemacht. Sie bleibt selbstständig an roten Ampeln stehen und fährt freiwillig auf dem Gehweg. Und sie fährt wirklich weite Wege, sechs Kilometer sind für sie kein Problem.

Auf unserer aller ersten Stadt-Radl-Tour hatten wir allerdings schon eine „Alkohol-Leiche“ gesehen und Erste-Hilfe leisten müssen. (Kann auf dem Land und überall passieren) Als Krankenschwester habe ich nicht die Wahl, trotz Kinder haben ich dafür ein Pflichtbewusstsein. Das gehört leider auch zum Stadtleben dazu. Situation war wie folgt: Beim kurzen Stop bei einem Spielplatz habe ich schon drei junge Männer beobachten können. Zwei davon hatten den dritten versucht von einer Parkbank aufzurichten. Dieser bewegte sich aber kaum noch. Ein älteres Ehepaar fragte beim Vorbeilaufen, ob sie denn Hilfe brauchen würden. Zuerst verneinten die Männer das, doch wenig später sind sie panisch umhergesprungen. Dann sind wir zur Hilfe geeilt. Das Ehepaar und ich. Der Mann war leider blau und die Jungs hatte bereits den Notruf gerufen. Das sehr nette ältere Ehepaar sind mit Mina Schaukeln gegangen und haben Arno im Radanhänger behütet, als ich dem Mann zum weiter atmen verholfen hatte – bis der Krankenwagen eingetroffen war. Mina musste danach über eine Woche die Geschichte hören, um diese verarbeiten zu können. Sie hat verstanden, dass zu viel Alkohol den Menschen schaden kann.

Das Beste überhaupt war Minas Reaktion, auf die Feststellung, dass es dem Mann wegen Alkohol und Drogen so schlecht ging, sie fragte mich, warum der Alkohol dann nicht weggemacht wird. <3

Ob es nun positiv oder negativ zu betrachten ist, dass Mina mit schon vier Jahren eine solche Situation erleben musste, ist fraglich. Allerdings bin ich persönlich auch der Meinung, dass das das Leben ist. Ich bin froh, dass Mina so etwas mit mir erlebt und ihre Erfahrung daraus ist, dass ich Krankenschwester bin und helfen konnte.

Was lieben wir noch an unserem NEUEN Leben? Nun ja, ganz nebenbei sind wir nun komplett Schuldenfrei. Und es fühlt sich gut an. Es fühlt sich so gut an. Unsere Schultern sind wieder leichter und wir fühlen uns flexibler in unseren Entscheidungen. Wenn uns die Wohnung/die Gegend/ die Stadt nicht mehr gefällt, kündigen wir die Wohnung und suchen uns etwas neues. Allerdings ist diese Wohnung im Moment ideal für uns, da sie auch günstig ist. Wenn wir auf einen Spielplatz gehen, ist immer was los. Es ist immer irgendein Kind da. Auf dem Land hat uns das tatsächlich gefehlt. Dort hat jeder seinen Garten inklusive Geräte und wir mussten uns verabreden. Ich liebe aber spontane Treffen, weil sie so natürlich und ungezwungen passieren. Mina knüpft auch gerne neue Freundschaften. Nichts desto trotz vermissen wir z. B. unsere tollen Nachbarn und Mina IHRE Leah. Und meine Freundin, die eine Ortschaft neben an gewohnt hat, welche nun auch zwei Kleinkinder hat. Meine Eltern wohnen nun auch nicht mehr „ums Eck“. Aber ich fühle mich ihnen trotzdem nahe genug <3

Eine lustige Geschichte zum Schluss. Wir sind bereits im August hier eingezogen. Es war also mitten im Sommer und wir schlafen gerne bei geöffnetem Fenster. Als es wirklich sehr still war – mitten in der Nacht – konnte wir eine gebärende Frau des gegenüberliegenden Krankenhauses hören. Wir waren allerdings nicht peinlich berührt, sondern eher in Erinnerung schwelgend, wie es bei unseren beiden Geburten war. Und haben dieser Frau einen schönen Start in ihre Mutterrolle gewünscht.

Was bevorzugst du? Wohnst du auf dem Land und liebst es? Oder bist du schon immer ein Stadtbewohner? Lasse mir gerne einen Kommentar da, ich freue mich darauf.

deine Jasmin

  1. Wir sind eher die Landeier -aber was du da beschreibst hört sich interessant an und bringt mich zum nachdenken ? wer weiß, vielleicht kann ich mich irgendwann auch noch mal auf eine Stadtwohnung einlassen – alles hat seine Vor – und Nachteile ? Hauptsache raus ?

    Antworten

    1. Hallo Antje, danke für deinen Kommentar. Ich denke es gibt so wie so nicht DIE EINE Lösung für alle. Jeder muss das für sich individuell entscheiden. Für uns ist im Moment die Stadtwohnung mit der Verbindung Reisen toll <3 LG

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