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Besser als ein Lottogewinn: Ein lieber Mann

Diese Zeilen habe ich schon so oft angefangen und wieder gelöscht. Wie schaffe ich es nur, meine Gefühle in Worte zu fassen? Es ist eine Achterbahnfahrt die schon über siebe Jahre andauert. Ein offener Brief an meinen Mann. Ich habe im Titel unsere Masseurin zitiert: Besser als ein Lottogewinn: ein lieber Mann.

Als wir uns kennen gelernt haben waren wir jung und wild. Ich frisch getrennt von meiner erster Ehe, du für mich unerreichbar. Denn ich dachte du wärst längst vergeben. Die erste Begegnung war auf dem Fussballplatz. Du hast mit meinem Papa in einer Mannschaft gespielt. Beinahe jedes Wochenende habt ihr gekickt, und wenn ich Lust hatte, war ich an der Außenlinie dabei und habe euch angefeuert.

Durch einen eher witzigen Zufall haben wir dann gechattet, als du mir von der Plattform „Lokalisten“ als möglicher Partner vorgeschlagen wurdest. Wir haben hin und her geschrieben und sind dann, Juni 2009, zusammen auf eine Party gegangen. Beschwipst haben wir zu Dirty Dancing getanzt und uns verliebt.

Dann war ich kurze Zeit später für drei Wochen in Afrika im Urlaub – es waren eigentlich die geplanten Flitterwochen – und wir haben uns schrecklich vermisst. Du hattest mir die Geschichte von dem kleinen Hasen „Weißt du eigentlich, wie liebe ich dich hab“ auf den Mp3-Player gesprochen, welche ich jeden Abend im Schlafsack angehört hatte, mit einem Foto von dir in der Hand und mit Tränen in den Augen – weil du so weit weg warst.

Nach unserer schönen Anfangszeit war es dann kurze Zeit später etwas seltsam geworden, du hattest dich zurück gezogen, wolltest dich nicht mehr so oft mit mir treffen und eher „für dich“ sein. Ich weiß noch, wie wenn es heute gewesen wäre, dass ich wirklich gefühlt und gedacht hatte, es wäre aus zwischen uns, ohne erkenntlichen Grund. Doch wir sind dann gemeinsam nach Paris gereist, es hat uns noch näher zusammen gebracht. Wir konnten uns besser kennen lernen und uns fern von der Arbeit entspannen.

Im Januar 2010 habe ich mir dann beim Snowboarden beide Handgelenke gebrochen. Ich durfte dann kurzerhand bei dir einziehen – quasi zur Übergangspflege, denn ich konnte weder den Wasserhahn in meinem Schwesternzimmer aufdrehen, geschweige denn mich anziehen oder mir etwas zu essen machen. Du hast mich aufgenommen, mich gebadet und mich umsorgt. Ich bin und war dir so dankbar dafür.

Im selben Jahr haben wir uns dann eine gemeinsame Wohnung gesucht und haben tolle Reisen unternommen. Corfu, Bali und eine Karibik-Transatlantik-Kreuzfahrt. Du hast deinen Job gekündigt und bist mutig in die Selbstständigkeit gegangen. Seitdem bist du ein richtiger Unternehmer und Geschäftsmann geworden. Zuerst bei uns Zuhause, dann in einem kleinem Büro und nun eine Agentur mit Auszubildenden. Ich bin sehr stolz auf dich, weil du genau das tust, was du möchtest und was dir wichtig ist.

Im Jahr 2012 wurden wir dann schwanger und Mina wurde im Oktober geborgen. Sie veränderte unsere Beziehung. Wir waren nicht mehr ein Paar, sondern eine Familie. Ich begann mich ständig Fortzubilden und du hast mich darin immer unterstützt. Erziehung, Stillen, Stoffwindeln ich wollte einfach alles dazu wissen. Du glaubst an mich und meinen Traum von der Selbstständigkeit. Du hältst mir immer den Rücken frei, wenn ich es brauche – dafür liebe ich dich.

Auf Mallorca, im Urlaub 2013, hast du mir dann einen wunderschönen Antrag gemacht. Mina hat im Tragetuch geschlafen. Wir wussten beide, dass wir ohne Feier nur für uns heiraten wollten. Und so haben wir es dann an Minas erstem Geburtstag getan. 21.10.2013, standesamtliche Trauung mit anschließenden Thermen-Besuch. Dieses Ritual hat sich bei uns irgendwie manifestiert, denn wir fahren immer in die Therme an Minas Geburtstag.

Wir erfüllten uns den gesellschaftlichen Traum von einem Haus. Es war vermietet, wir aber waren sehr zuversichtlich. Der Start war schon sehr holprig, wenn ich mich so zurück erinnere. Die Mieter, die erst nicht ausziehen wollten. Die Sanierung, die keine große hätte werden sollen und letztendlich eine Komplettsanierung mit Entkernung wurde. Diese letzten 3-3 1/2 Jahre haben uns gemeinsam sehr altern lassen und uns viel gelehrt. Der Stress, die ganze Arbeit und der Ärger mit dem Haus liegen nun hinter uns. Wir hätten uns beinahe darin verloren, haben aber immer an unserem Verbund festgehalten. Unsere Kommunikation war und ist uns schon immer sehr wichtig, jedoch war es mit diesem Druck oft oberflächlich und missverständlich.

Arno ist in diesem Haus, mit deiner Hilfe, auf die Welt gekommen. Unsere zwei Kinder sind mit vollem Herzen gewollt und erfüllen mein Leben. Ich bin wirklich so dankbar, über jede einzelne Minute mit dir und den Kindern. Auch die wirklich stressigen Zeiten werde ich nicht vergessen, denn diese sind auch wichtig, um die ruhigen wahrnehmen zu können.

Du hattest sogar neben der Haussanierung mit meinem Papa noch die Geduld und Zeit, mir einen wundervollen schönen Laden einzurichten und auszubauen. Du hast mich nie gebremst sondern immer Vertrauen in mein Tun gehabt. Und obwohl das Ende von dieser schönen Zeit, eine Menge mehr Schulden hinterlassen hat, stehst du trotzdem zu mir. Du sagst sogar, es wäre immer noch ein super Projekt, nur eben nicht ganz alleine.



Die Kindergarten-Krise mit Mina haben wir auch gemeinsam gemeistert. Du hattest und hast es immer noch: ein sehr gutes Gefühl für unsere große Maus. Seit Arnos Geburt bist du sowieso ihr Held. Sie vermisst dich jeden Tag, wenn du zur Arbeit gehst und würde sie am liebsten immer an deiner Seite sein wollen. Du bist ein so toller Vater, obwohl du nie wirklich einen Vater hattest. Ich freue mich für unsere Kinder, dass du den Ehrgeiz hast, jeden Tag noch mehr Geduld aufbringen zu wollen. Ich freue mich so sehr, dass du dir mein angelesenes und erlerntes Wissen erzählen lässt, und es manchmal besser und schneller umsetzen kannst, als ich. Danke, dass du jeden Tag alles für uns gibst.

Dann, unser heftiger Streit letztes Jahr Oktober. Das war ein Schlüsselmoment für mich. Ich wusste, dass wir gemeinsam etwas ändern müssen, wenn wir UNS behalten wollen.

Du hast mir dein Vertrauen geschenkt und mich mit den Kindern nach Thailand fliegen lassen. Diese Auszeit war genau richtig für mich, für uns. Jeder konnte wieder ein Stück zu sich finden. Danach haben wir gemeinsam entschlossen, dass dieses Haus kein Glück für uns bedeutet und der Preis dafür zu hoch ist. Wir haben uns gemeinsam für unsere Familie entschieden, und gegen die Schulden und die damit verbundenen Verbindlichkeiten. Denn der Druck, den dieser Schuldenberg bei uns auslöste, war nicht mehr vertretbar. Es war zermürbend und anstrengend.

Der Hausverkauf ist nun abgeschlossen und ich stehe in unserem Büro-Ankleide-Fernseh-Zimmer und schreibe diese Zeile an dich. Ich möchte mich bei dir bedanken, dass du mit mir unseren Weg gehst. Wir gehen keinen „vorbereiteten“ oder aber „gesellschaftlich“ üblichen Weg. Wir gehen UNSEREN Weg und hören auf unser Herz. Ich liebe dich Benny und freue mich sehr auf noch mindestens siebzig Jahre an deiner Seite. Du bist genauer der Mann, denn ich an meiner Seite haben möchte. Danke das du bei mir bist – denn: „Der beste Partner ist der, der bleibt, weil er nicht muss“ (Barbara Wegmann)

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