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Attachment Pareting Kongress 2016 – Resümee

Ich sitze im Zug, die Heimfahrt wird noch gut vier Stunden dauern. Benny und ich sitzen ganz aufgewühlt und voll mit wertvollem Input aus dem Kongress nebeneinander. Wir unterhalten uns über unsere Eindrücke, und dass unser Gehirn jetzt eine Pause bräuchte. In den letzten 72 Stunden haben viele neue Verknüpfungen statt gefunden, die ihre Ruhe brauchen richtig einsortiert zu werden.

imageDa war zum Beispiel die Begegnung mit Michel Odent. Für die, denen der Namen nichts sagt: Er ist einer der bekanntesten Frauenärzte, der den Zusammenhang von der Wichtigkeit der Geburtskultur berichtet. Wie wichtig eine normale Entbindung ist, mit all ihren Hormonen und Abläufen, die Vorteile der Muttermilch und des Stillens. Er hat unter anderem Bücher geschrieben mit den Titel: „Geburt und Stillen, über die Natur elementarer Erfahrungen“ , „Es ist nicht egal wie wir geboren werden, Risiko Kaiserschnitt„, „Im Einklang mit der Natur, neue Ansätze der sanften Geburt

In seinem Vortrag beschrieb er Einzelheiten, dass Frauen bei der Geburt vor Reizen geschützt werden müssen, da sich sonst der Neokortex einschalten und der natürliche Vorgang der Geburt verhindern bzw. verzögern werden kann.

Eine Geburt ist ein Ablauf mit Hormonen und durch Reflexe gesteuert. Er nannte dabei das Beispiel der Verdauung. Wir denken nicht aktiv, jetzt verdaue ich mein Frühstück – sondern der Körper macht es. Wenn jedoch eine Gefahr droht, wie ein schlimmer Schock oder Stress, weiß der Körper diese Funktion einzustellen bzw. auf das Minimalste zu reduzieren. Ähnlich ist es bei der Geburt. Das oberste Ziel muss eine reizarme Umgebung sein.

Die Frau muss vor Lärm und Gesprächen geschützt werden, auch vor Licht, den dieses hemmt das Melatonin, welches aber wichtig im Zusammenhang mit Oxytocin für die Geburt ist (Schlaf/Wachrhythmus). Sie muss sich sicher und geborgen fühlen. Aber das genügt erst einmal, ich kann unmöglich 1,5 Stunden Vortrag hier aufschreiben. Es schließt sich jedenfalls wieder einmal ein Kreis für mich.

Dann waren Benny und ich z. B. zusammen in einem Vortrag von Barbara Wegmann. Sie beschäftigt sich mit der Trennungs-Thematik. Jetzt werden sich einige denken, warum wir als Paar in solch einen Vortrag gegangen sind. Ehrlich gesagt, hatte ich beim schnellen Lesen anders assoziiert und ich dachte es würde um die bindungsorientiere Trennung bei Kita-Beginn gehen.

Jedenfalls ist Barbara eine Trennungs-Expertin und hilft Paaren, sich einvernehmlich zu Trennen. Es geht dabei auch um Thema Angst, Trennungsangst, um eigene Wünsche und Vorstellungen vom Leben. Leben wir das Leben, das von uns erwartet wird, welches wir leben sollen? Oder möchten wir ein Leben führen, welches unseren Gefühlen und Wünschen entspricht? Ich möchte dabei einen Satz von ihrer Seite zitieren „ Die besten Partner sind die, die bleiben, nicht weil sie müssen„. Und dazu auch die Assoziation, leben wir im Inneren oder im Äußeren? Und können wir die beiden Welten nicht vereinen? Der Vortrag hat mich wirklich inspiriert und die Gespräche mit ihr danach waren sehr bereichernd. Benny hatte ihr von unserem Hausverkauf berichtet, dass wir uns persönlich für uns als Paar und Familie entschieden haben und das Haus „aufgegeben“ haben – weil es für uns nicht das Richtige war. Barbara hat uns beglückwünscht und gemeint, es sollte mehr reflektiere Paare geben, die ihre Wünsche zusammen kommunizieren könnten. Und dass unter anderem das erträumte EFH öfter der Grund für eine Trennung ist.

Dann war da noch Christiane Puscas, mit ihrem Vortrag über die Essence von Lebensglück – Von Beziehungsfähigkeit und Entwicklungstrauma. Sie erklärte uns sehr anschaulich, wie das Nervensystem funktioniert, auch wieder mit Neokortex und vor allem mit Sympathikus und Parasympathikus.

imageDas Säuglinge erst einmal nur mit dem Sympathikus arbeiten und uns als Regulatoren benötigen. Später müssen sie die Regulation der beiden erlernen, wie Gas und Bremse beim Autofahren. Und, dass die prägendste Zeit von 0 – 3 Jahren ist. Aber die „Platte“ durch Training auch neu bespielt werden kann.

Was war der tollste Vortrag von insgesamt 24 Stück? Wer hat uns am meisten neue Erkenntnis gebracht? Hat es Benny auch gefallen, oder war im langweilig?

Von den insgesamt 24 Vorträgen haben wir drei gemeinsam besucht, und fünf unterschiedliche. Es war für uns genau richtig und keiner davon war langweilig. Benny war z. B. bei André Stern, er hat mich vor zwei Jahren beim Kongress schon derart inspiriert, dass ich von „Schulfrei“ mehr als überzeugt bin. Dann war ich unter anderem noch bei Sibylle Lüpold und habe mich über die ganzheitliche Schlafberatung fortgebildet. Susanne Mierau von www.geborgen-wachsen.de hat über die Online-Beratung und Online-Szene von Eltern berichtet. Von Brigitte Meissner durfte ich etwas über das Heilbad lernen und Wolf Lütje hat über die Geburtshilfe und der psychischen Gesundheit referiert. Mit Nora Imlau habe wir uns zu Beginn schon etwas unterhalten, jedoch nicht ihren Vortrag besucht, es gab zu viel Auswahl. Es hat Samstagabend auch noch eine Buchvorstellung mit Nicola Schmidt und Nora Imlau statt gefunden, die ich auch nicht besucht hatte. Eine Person kann eben von 24 Vorträgen nur acht besuchen. Was allerdings klasse ist, dass einige Aufzeichnungen statt gefunden haben und wir Vorträge kaufen konnten.

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Benny durfte bei Katja Saalfrank etwas über „Auffälliges Verhalten bei Kindern und Jugendlichen“ erfahren oder aber bei Dr. Eliane Retz über „Sichere Bindung durch Attachment Pareting.“ Benny hat den Vortrag von Christoph Schuhmann besucht und dabei wurde der Film „School of Trust“ gezeigt. Es geht dabei um demokratische Schulen und eine Reise zu Schulen, an denen Kinder wirklich gerne und freiwillig lernen.

Es waren auch einige Hersteller auf dem Kongress vertreten. Ich habe nette Gespräche geführt und auch neue Produkte kennen gelernt. Denen werde ich einen eigenen Eintrag widmen. Ihr dürft gespannt sein 🙂

Ich möchte mich an der Stelle auch für die Organisation bedanken. Frauke und Diana habe es wieder geschafft so viele tolle Menschen an einen Ort und Kongress zu bringen. Nach meinen Ausbildungen und dem ersten Kongress dachte ich, so viel neues wird es nicht sein. Aber ich bin wieder „geflasht“ von den neuen Information. Ich brennen natürlich für diese Themen und bin mit Begeisterung dabei. Ich sauge alles wie ein Schwamm auf und verarbeite es nun. Um ehrlich zu sein, freue ich mich schon auf den nächsten Kongress 2018. Die Location im Grand Elysee Hamburg und das Catering waren ebenfalls perfekt.

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Mein persönliches Highlight war dann Samstag Abend, als ich mit Benny im Restaurant saß und in Ruhe etwas Essen war. Setzt sich unerwartet Michel Odent neben uns. Wir haben uns nett mit ihm unterhalten und ich war aufgeregt wie ein kleines Kind.

Jasmin Seelos mit Michelle Odent

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Ich bedanke mich auch bei Benny, dass er mich begleitet hat und sich für die Themen interessiert und nun auch dafür brennt wie ich.

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Und es geht natürlich auch ein Dank an meine Eltern, die sich so wunderbar und unsere zwei Kinder gekümmert haben, damit wir uns mit neuen Wissen voll pumpen konnten. Ein Paar-Wochenende der anderen Art, viele Andere machen vielleicht Wellness oder Städtetrips, wir haben es nicht einmal in die Saune wie geplant geschafft. Nach dem Essen waren wir einfach zu müde, es war genau richtig und ideal.

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AP-Kongress 2018 – ich wir freuen uns darauf!

  1. Hallo Jasmin, finde viele Themen des Kongresses, die Du hier angerissen hast, echt spannend. Hast du vielleicht einen (oder mehrere) Buchtipps?

    Antworten

    1. Liebe Constanze, puh, mittlerweile umfasst mein „Fachbuchregal“ über 20 Stück zum Thema. Die Frage ist, was interessiert dich im Moment? Ich habe z. B. gerade ein neues Buch angefangen, was von Christiane Puscas empfohlen wurde: „Achtsame Kommunikation mit Kindern: Zwölf revolutionäre Strategien aus der Hirnforschung für die gesunde Entwicklung Ihres Kindes“ Von Daniel Siegel. Ich werde bald eine Liste von meinen Bücher erstellen und auch kurz darüber berichten. Liebe Grüße

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