Kein Bock auf Stillen – oder?

Schon bevor ich selber Mama wurde, war für mich klar, dass ich stillen möchte. In meiner Krankenschwesterausbildung habe ich einiges darüber gelernt. Schon viele Frauen auf der Entbindungsstation angeleitet und wusste, Muttermilch würde das Beste für mein Kind sein.

Mina hat noch direkt im Kreissaal das erste Mal getrunken. Das wichtige Kolostrum bekommen. Für mich war es keine Frage nach dem OB oder OB NICHT; für mich persönlich war es selbstverständlich. Das erste Anlegen war nicht schmerzhaft, es war eher etwas ungewohnt und komisch. Dann wurde es immer besser. Wir hatten also einen perfekten Stillstart, wovon manche nur träumen konnten. Ich hatte auch genug Milch, sogar zu viel davon. Was mich allerdings auch gestört hatte, denn ich bin bestimmt ein 3/4 Jahr trotz Stilleinlagen ausgelaufen. Nachts immer im Nassen gelegen und unterwegs musste ich immer ein Wechselshirt dabei haben. Aber beschweren wollte ich mich nicht, denn ich wusste ja, dass manche Frauen „zu wenig“ Milch hatten oder aber andere Stillprobleme, wie wunde Brustwarzen, nur Stillen mit Stillhütchen oder ähnliches.

Ich bin dankbar für meine Erfahrungen und möchte an dieser Stelle Fakten fest halten, um die es mir in diesem Artikel geht.

Das Stillen nützt dem Kind den:

  •  seit Millionen Jahren ist es die erprobte Babynahrung, die alle notwendigen Nährstoffe in genau der richtigen Menge enthält.
  • schützt dein Kind gegen Krankheiten und Allergien.
  • stärkt das Urvertrauen deines Kindes.
  • fördert eine gesunde Entwicklung der Kiefer und der Zahnstellung, der Zungen- und Gesichtsmuskulatur und damit die Sprachentwicklung.
  • fördert die geistige Entwicklung deines Kindes.

Das Stillen nützt der Mutter:

  • bringt dir hautnahen Kontakt zu deinem Kind – etwa 600 Stunden im ersten halben Jahr.
  • macht das nächtliche Füttern einfacher.
  • fördert die Rückbildung der Gebärmutter nach der Geburt.
  • entspannt – nach der turbulenten Neugeborenenzeit.

Allgemein:

  • Stillen spart Geld, ca. 750 € im ersten halben Jahr.
  • Stillen spart Zeit – kein Einkauf, keine Zubereitung, kein Abwasch.
  • Stillen spart Platz in der Mülltonne.

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Stillen ist aber keines Weg ein Reflex oder eine angeborene Gabe. Es ist bei uns verankert und wir können es erlernen.

Kennst du die Geschichte von der Gorilladame im Zoo, die ihr erstes Junges verkehrt herum gestillt hatte? Also mit dem Hinterkopf zur Brust? Und ihr dann stillenden Mamas vor die Scheibe gesetzt wurden, damit sie erkennen konnte, das sie ihr Junges richtig herum halten musste? Die Geschichte zeigt es ganz deutlich, Stillen kann erlernt werden und ist kein Reflex. Vielleicht war mein Stillstart auch so leicht, weil ich schon viele Frauen dabei beobachten konnte und auch das Anlegen „erlernt“ hatte?! Möglich wäre es.

Darüber hinaus ist Stillen eine Beziehung, und wie jede Beziehung gibt es auch hier Höhen und Tiefen. Der Artikel soll den Frauen Mut machen, auf ihr Körper- und Bauchgefühl zu hören. Es ist nicht das Wichtigste, aber das Beste im Vergleich zur Flaschennahrung. Aus diesem Grund bin ich gerade in Ausbildung zur Stillberaterin bei der AFS (Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen). Während meiner Beratungen kommen sehr häufig Stillfragen auf und ich möchte möglichst hilfreiche Antworten geben können.

Ich bin jedoch nicht dogmatisch. Ich weiß, dass es einige Gründe gibt, warum Frauen es strikt ablehnen zu stillen oder aber frühzeitig abstillen möchten. Das ist alleine die Entscheidung der Frau. Aber auch da kann ein Rat zum sanften oder aber richtigen Abstillen hilfreich sein. Wie das Urvertrauen durch z. B. Tragen und Familienbett gestärkt werden kann .

Bei mir war es z. B. so, dass ich Mina irgendwann nicht mehr stillen wollte. Es hat mir einfach gereicht. Ich hatte irgendwann genug von diesem Reiz. Mina hat bis dahin 19 Monate gestillt, und es wurde von Zeit zu Zeit immer seltener. Also irgendwann hat sie nur noch Morgens, Nachmittags und Abends gestillt. Dann nur noch Abends. Zu dem Zeitpunkt hatte ich bereits wieder halbtags zu Arbeiten angefangen und ich war auch körperlich an meine Grenzen gekommen. So habe ich damals beschlossen, von heute auf morgen, dass ich nicht mehr stillen möchte. Mit Mina habe ich das besprochen und ihr Alternativen geboten. Wie ich mich erinnern kann, war es wirklich kein Problem und für sie okay. Ich habe sie weiterhin fast ausschließlich bei Spaziergängen und Ausflügen getragen, wenn sie es gewollt hat. Und sie schläft natürlich bis heute noch mit Körperkontakt.

Für Arno ist Stillen einfach alles. Für ihn ist es sehr wichtig und er reguliert sich auch darüber. Das heißt, wenn er sich wegen etwas ärgert, möchte er gerne trinken. Stoßt er sich wo an, möchte er trinken, ist ihm langweilig, möchte er trinken 🙂 Manchmal trinkt er sehr wenig und selten, und an manchen Tagen fast ausschließlich. Im Moment ist es für mich noch völlig okay. Im manchen Situationen möchte ich nicht und sage es ihm auch, und biete ihm Wasser an. Wenn wir unterwegs sind nehme ich ihn gerne in die Trage zum Stillen. Zum einen sieht es niemand und zum Anderen kann ich weiter mobil sein.

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Die WHO empfiehlt ZWEI Jahre zu Stillen.

Ich kann mich noch so gut daran erinnern, als Mina geboren wurde und ich dachte, ach ja, sechs Monate werde ich schon stillen – wenn es klappt. Letztendlich hat sie die Breieinführung mit vier Monaten verweigert. Wir sind dann auf BLW (Baby Led Weaning) umgestiegen und sie durfte 19 Monate stillen. Arno hat auch noch nie Brei bekommen und isst seit er fünf Monate alt ist, einfach bei uns mit. Wie lange wir noch stillen werden – keine Ahnung. Ich bin jedenfalls fasziniert, wie toll er es auch z. B. nachts ohne mich hinbekommt. Seit Juni bin ich zwei mal die Woche zum Nachtdienst weg, wo Benny die Zeit übernimmt, und die drei machen es ganz toll. Also in diesen Nächten weiß er, ich bin nicht verfügbar und er braucht mich nicht. Er stillt sein Bedürfnis nach Nähe im Körperkontatk zu Benny und Mina.

Wie ist es bei dir gewesen? Hattest du konkrete Vorstellungen vom Stillen? Hat alles gleich geklappt, wie du dir es gedacht hast? Ich freue mich über Kommentare.

Alles Liebe

eure Jasmin

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  1. Liebe Antje,

    habe gerade deinen Kommentar gelesen, und bin immer noch sehr gerührt! Ich möchte dir nur mitteilen, das du immer auch dein Gefühl hören solltest, denn alles andere wäre komplett falsch.
    Ich wünsche dir ganz viele liebe verständnisvolle Menschen um dich, die dir nicht immer sagen oder einreden wollen was richtig oder falsch ist.
    LG Mina’s und Arno’s Oma

    Antworten

    1. Vielen lieben Dank für die lieben und ermutigenden Worte. 🙂 LG Antje

  2. Liebe Jasmin, ich muss da jetzt einfach gleich darauf antworten, obwohl ich eigentlich grad kaum Zeit habe. Der Beitrag von dir kam für mich gerade in so einem passenden Moment, wie du es dir gar nicht vorstellen kannst. Ehrlich gesagt sitze ich gerade heulend vor dem Rechner, während ich schreibe, weil sich gerade eine derartige Anspannung gelöst hat… Seit einigerZeit bin ich irgendwie so verunsichert und ständig angespannt und am Grübeln, ob es nicht doch falsch war/ ist Elin immer zu stillen, wenn irgendwas ist, d.h. nicht nur bei Hunger (auch bei Frust, Langeweile, wenn sie Schmerzen hat etc.). Ich bin mir gar nicht so sicher, was genau eigentlich der Auslöser für diese Zweifel war. Es waren wohl mehrere Dinge in den letzten Wochen- Kommentare von anderen, Gelesenes etc. Ich lasse mich leider auch recht schnell verunsichern. Beim Stillen hatte ich dies, so dachte ich zumindest, aber eigentlich überwunden. Nach unserem schwierigen Stillstart (hatte ich dir, glaube ich, mal erzählt), war ich so froh, als es endlich klappte und ich zusammen mit meinem Kind einen Weg gefunden hatte, der für uns beide ideal gepasst hat. Dazu habe ich auch gestanden bzw. tue es im Grunde immer noch. Ich habe z.B. auch bei fünf Stunden Flugzeit nahezu durchgestillt, egal welche Blicke und Kommentare ich von anderen mitbekommen habe. Aber leider ist unsere Gesellschaft heute so, dass jeder meint, dem anderen seine Meinung aufdrücken zu müssen (auch sogenannte Experten in Büchern- aber da habe ich zumindest die Wahl, das Buch nicht zu kaufen oder nicht weiter zu lesen). Wenn man dann ständig wie mit einem Holzhammer gesagt bekommt, dass man etwas nicht richtig macht und seinem Kind schadet, fragt man sich irgendwann auch bei den Sachen, bei denen man sich total sicher ist, ob man nicht doch falsch handelt. Ich tue dies (leider) zumindest. So auch in diesem Fall. Seit Wochen bin ich total angespannt und ständig am Grübeln, ob das viele Stillen nun wirklich gut ist, sodass ich gerade auch irgendwie ein bißchen die Verbindung zu meinem Kind verloren habe, was mich die ganze Zeit sehr mitgenommen hat. Bis eben wusste ich allerdings nicht so wirklich, das meine Zweifel der Grund dafür sind. Vor zwei Stunden war es dann so, dass Elin geweint hat und ich versucht habe, sie auf dem Arm zu trösten und nicht wie ich es sonst getan habe, sie anzulegen wenn sie richtig doll weint (bei Kleinigkeiten reicht das auf dem Arm nehmen normalerweise schon). Sie hat dann sofort anfangen zu hyperventilieren (passiert bei ihr meistens sofort, wenn sie richtig Weinen muss). Durch das Stillen hat sie sich sonst immer sehr schnell beruhigt und auch ihre Atmung hat sich relativ bald wieder reguliert. Jetzt habe ich es heute anders versucht und das Hpperventilieren nahm zu, was für mich richtig schlimm war. Ich habe sie dann Schluss endlich doch angelegt und sie ist dann eingeschlafen. Aber selbst jetzt nach zwei Stunden hat sich ihre Atmung noch nicht reguliert. Da das bis jetzt noch nie so gewesen ist, habe ich mich die ganze Zeit gefragt, was ich falsch gemacht habe. Ich will doch nur das Beste für mein Kind. Jetzt nach deinem Beitrag ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen und die Anspannung der letzten Wochen hat sich gelöst. Damit kamen auch die Tränen. Es kam genau zum richtigen Zeitpunkt und hat mich endlich wieder darin bestärkt, auf mein Gefühl zu hören. Manch einer wird vielleicht denken, dass ich hier zuviel Gewese um diese Sache und mir einfach zu viele Gedanken mache oder übertreibe. Aber so bin ich. Und ich musste das jetzt einfach los werden. Ich hoffe, das ergibt alles irgendwie Sinn, denn ich habe einfach nur drauf los und mir von der Seele geschrieben. Vielen Dank!

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