schubladendenken

Schublade auf, Mensch rein, Schublade zu

Der Titel verrät den Inhalt schon. Wir Menschen, und da nehme ich mich leider nicht raus, neigen dazu, Andere in gewisse Schubladen zu stecken. Die ersten Sekunden entscheiden meist über  Sympathie oder Antipathie. Dabei spielt leider oftmals das Äußere eine große Rolle.

Vielleicht fragst du dich, warum das Thema bei mir präsent ist? Nun ja, in den letzten Wochen bin ich vermehrt in Schubladen gesteckt worden, was ich bewusst mitbekommen und auch gesagt bekommen habe. Und das gefällt mir überhaupt nicht. Für mich persönlich bedeutet das aber auch, selbst weniger in Schubladen zu denken, auch wenn es uns von der Gesellschaft so suggeriert wird.

Aber mal von Anfang, woher kommt das überhaupt, dass wir andere Menschen einordnen? Das wir uns das Recht heraus nehmen, uns meist vorschnell ein Urteil über jemanden fällen ohne diesen richtig kennen zu lernen? Ich persönlich glaube, dass es teils durch die eigenen Lebenserfahrungen kommt, teils durch Erziehung und Weltbildvermittlung innerhalb der Familie und dann natürlich durch die Medien, die Presse und Onlineportale. Wir werden geprägt und beeinflusst und damit es uns leichter fällt, Personen einzuschätzen, haben wir ein Raster erlernt, in welches wir die Menschen kategorisch einsortieren. Das gibt uns vielleicht ein Stück Sicherheit, denn wir versuchen dadurch die (Um-)Welt einzuschätzen.

Zum Glück durfte ich eine sehr gute Privatschule besuchen – Achtung: eine Mädchenrealschule. Und ja, wir hatten noch Klosterschwestern im Unterricht. Jedoch war diese Schulzeit für mich sehr prägend, was meine Weltanschauung betrifft. Unserer Rektorin war es schon immer wichtig, uns Schülerinnen zu vermitteln, dass jeder Mensch wertvoll ist, egal welche Nation, Abstammung, Religion oder gar Hautfarbe. Egal welchen finanziellen Status oder welche Kleidung jemand trug. Die Weltoffenheit wurde mir in der Schulzeit schon gelehrt – dafür bin ich überaus dankbar. In der Ausbildungszeit zur Gesundheits- und Krankenpflegerin wurden uns noch einmal die selben Werte vermittelt. Jeder Patient ist gleich, egal welche Nation, Religion, Hautfarbe usw.

Ich habe das alles sehr ernst genommen und im OP konnte ich das gut umsetzen. In fünf Jahren Anästhesiezeit habe ich viele tausend Menschen betreut und begleitet. Im OP-Kittel und mit OP-Haube sehen sie sowieso alle gleich aus 🙂 Im OP ist der Patient ein Mensch, der meine Hilfe benötigt. Punkt.

Im Alltag, angezogen, konnte ich es auch für mich gut übernehmen. Manchen Menschen scheint dies noch etwas schwerer zu fallen.

Drei Beispiele der letzten Wochen:

Mit Socken darunter gehen die Barfuß-Schuhe auch bei 6 Grad. Wir Lieben sie ?? #barfussschuhe #barfuss #frühling #lebenmitkindern #lebenmitkleinkind #laufrad #leguano @leguano_kw

Nachdem ich in Wien auf der BabyExpo Messe für Kokadi arbeiten durfte, stand ich am Bahnhof, wartend auf meinen Zug. Stand neben mir ein Mann. Gut gekleidet, Lederschuhe, teure Uhr, gestylte Haare, ca. Mitte 40 Anfang 50. Ich bemerke seine Blicke. In meinem Kopf geht er in die Schublade: Geschäftsmann – aber ohne Wertung. Ich spüre seine Blicke immer wieder auf meinen  Schuhe bzw. Füße ankommen. Ich trage ja sehr gerne meine Barfussschuhe von Leguano. Zugegeben, sie sehe aus wie Socken. Aber das ist mir völlig egal. Nach dem ich schon innerlich lachen muss, weil er so kopfschüttelnd meine Socken 🙂 betrachtet, spreche ich ihn an. „Das sind keine Socken, sondern Barfussschuhe“ Er lacht und guckt zuerst etwas verschämt weg, dann dreht er sich nochmal um und sagt freundlich, so was hat er noch nicht gesehen. Aber scheinen bequem zu sein. Da unser Zug noch immer auf sich warten lässt, gucken wir beide also auf dem Bahnsteig auf und ab. Kommt eine junge Frau, ca. Anfang 20, auf den Bahnsteig. Leggings, Sweatshirt und etwas mollig. Sie genießt gerade ein Stück Pizza, welches sie sich am Imbiss gekauft hat. Ich stehe hinterhalb des Mannes und sehe wieder seine Blicke auf dieser jungen Frau. Sie läuft aufgeregt auf und ab, als wäre es ihr unangenehm, beim Essen beobachtet zu werden. Als sie ihm den Rücken zu dreht, sieht er mich lächelnd an und nickt in ihre Richtung und schüttelt den Kopf, als würde er mir sagen: „die sollte wohl keine Pizza mehr essen“

Na, wie geht es euch beim Lesen bis hier hin? Kennt ihr solche Situationen? Seid ihr manchmal die Frau oder der Mann? Ich für mich habe gemerkt, dass man besser durchs Leben gehen kann, wenn man bei sich bleibt. Einfach bei seiner eigenen Haustüre stehen bleiben, bevor man zum Nachbar guckt.

notar

Eine etwas sehr ärgerliche Situation für mich war bei einem offiziellen Notartermin. Eigentlich sollte der Vertrag vorgelesen und unterschrieben werden. Allerdings bin in den 2,5 Stunde oft derart unterschwellig angeredet worden, so etwas hatte ich auch noch nicht erlebt. In dieser Form zumindest. Auf Grund meines Baujahrs und meiner zwei kleinen Kinder hatte ich wohl keine Ahnung, was ich da tue. Es waren so viele kleine „Spitzen“ in diesem Gespräch, dass ich danach wirklich stink sauer war. Ich bin der Meinung, dass ein Mensch einem anderen Menschen nicht verurteilen darf, nur weil dieser etwas nicht genauso weiß wie er. Ja, ich habe von Paragraphen keine Ahnung, darum gebe ich solche Sache zur Prüfung den dafür ausgebildeten Leuten, ich weiß dafür wie man eine Infunsionsnadel legt, ich kenne den Anästhesieablauf, was eine Notar womöglich nicht weiß. Aber verurteilen werde ich niemanden dafür. Ich lerne gerade, über solchen Situationen drüber zu stehen und es nicht an mich heran zu lassen.

Noch trauriger ist, dass auch innerhalb der Familie geurteilt wird. Anscheinend bin ich etwas abgedreht und voll ÖKO 🙂 Wie schön irgendwie, denn ich fühle mich nicht abgedreht oder gar Öko. Ich denke lediglich über mich und die Welt nach, und stelle viel in Frage und gehe nicht den Mainstream-Weg. Welcher ist das überhaupt? Ich mache gerne meine Zahnpaste, mein Shampoo und Duschgel selber und ja, ich putze mit einer Bambuszahnbürste meine Zähne. Ich kenne Effektive Mikroorganismen und richte den Wohnraum nach FengShui ein. Wir versuchen auf tierische Lebensmittel zu verzichten und ich versuche täglich eine bessere Mutter zu werden. Ich habe keine Dreadlocks, trage aber gerne bequeme Kleidung und bunte Hose. Würden mir Dreadlocks stehen, bzw. gehört es zu mir wegen dem Öko-Stil 🙂

dreads

Ich hoffe ihr hört den Sarkasmus im Lesen heraus, denn ich versuche wirken zu lassen. Ich für meinen Teil bleibe bei mir und lasse die Anderen anderst sein. Mir ist es wichtig, dass unsere Kinder keine Unterschiede beigebracht bekommen. Wir sitzen im Zug gerne neben Alten, Jungen, Ausländern die unsere Sprache nicht verstehen oder aber „Gothik“-gekleideten Menschen. Völlig egal von Äußerlichkeiten, denn auf die innere Werte kommt es an. Desto mehr ich bei mir bin, kann ich auch die Anderen so sein lassen und es können schöne Beziehungen entstehen.

Wie geht es dir damit? Ertappst du dich selber dabei, Menschen an Hand von Äußerlichkeiten oder Tätigkeiten in Schubladen zu stecken? Oder bist du auch immer in einer bestimmten Schublade verschwunden?

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Alles liebe,
Eure Jasmin

  1. Dieser Artikel hat mich gerade sehr berührt. Vor allem, dass man von der eigenen Familie be-und verurteilt wird. Das kenne ich nur zu gut. Bin schwanger und bekomme im Dezember unser Baby.
    Da kommt es dann wohl hart auf hart, da wir wohl nicht immer gewöhnliche Wege gehen wollen. Hatte schon eine kleine Diskussion mit meiner Schwiegermama über Tragen, da wir uns erst mal wohl keinen Kinderwagen anschaffen.
    Vielen, vielen Dank für den tollen Artikel:)

    Antworten

    1. Liebe Annabell,
      ich habe für mich gemerkt, dass ich einfach auf mein Bauchgefühl hören möchte und dann dazu stehe, egal was andere darüber denken. Das mit dem Tragen ist auch so eine Sache, bei der Großen hatten wir noch einen Kinderwagen, den sie übrigens nicht mochte, und bei Arno hatte wir ihn verkauft. Er war tatsächlich noch nie in einem gesessen. Innerhalb der Familie habe ich eher noch das Bedürfnis meine Ansichten zu erklären, damit sie es nachvollziehen können und man in Kommunikation bleibt. Bei Fremden ist mir sowas egal. Ich wünsche dir alles erdenklich Gute – du wirst deinen Weg gehen.

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