Kaiserschnitt im Detail erklärt

Vor meiner Mutterrolle habe ich über fünf Jahre als Anästhesieschwester im Klinikum Augsburg gearbeitet. Ich war also die Frau für den „Schlaf“ bei einer Operation, für die Schmerzlinderung im Aufwachraum oder aber als Notfallhelferin bei einem Traumapatienten.

Die Arbeit hat mir viel Freude bereitet, auch wenn es mit wirklich frühem Aufstehen oder aber Nachtdiensten verbunden war. Ich liebte es den Patienten die Angst zu nehmen, sie behutsam auf ihre Narkose vorzubereiten oder aber innerhalb weniger Sekunden mein „Notfall-Gehirn“ zu aktivieren um schnell zu handeln, wenn es die Situation erforderte.

Kaiserschnitt
Diesen Beitrag möchte ich für die Frauen und Männer schreiben, die wissen möchten, was hinter dem Tuch bei einem Kaiserschnitt passiert. Oder eben auf dem Weg dorthin. Warum der Mann erst später dazu geholt wird und was der Unterschied zwischen einer PDA und Spinalnarkose ist.

Ich versuche den Artikel mit so wenig Fachbegriffen wie möglich zu füllen, bzw. alles so zu erklären, damit am Ende Sicherheit steht und du keine Angst vor dem Ungewissen haben musst. Ich kann nur jeder Frau/Mann/Partner empfehlen, sollte es ein Kaiserschnitt werden, die Ärzte so lange zu Fragen, bis ihr alles verstanden habt und wirklich sicher fühlt. Es gibt allerdings auch diejenigen, die garnicht genau wissen wollen, was so im Einzelnen passiert, dann solltet ihr ab hier besser nicht weiterlesen. 🙂

Zu Beginn eine Definition von drei Arten Kaiserschnitte:

  • primärer Kaiserschnitt (=Sectio caesarea)
  • sekundäre Kaiserschnitt und
  • Notkaiserschnitt.

Der primäre Kaiserschnitt ist umgangssprachlich der „geplante“. Es wird vorab ein Termin vereinbart, wann die Operation/Geburt statt finden soll. In den meisten Fällen ist es ein bis zwei Wochen vor dem eigentlichem Entbindungstermin, abhängig von der jeweiligen Klinik und dem Befund des Gesundheitszustandes des Kindes und der Mutter. (bei einigen Kliniken kann man den Termin mitbestimmen, z.B. die ersten Wehen abwarten etc.)

Der sekundäre Kaiserschnitt ist die Schnittentbindung, nachdem die Geburt schon eingesetzt hat. Mit z.B. Blasensprung, muttermundwirksame Wehen oder anderem Geburtsverlauf. Die Indikation für einen sekundären Kaiserschnitt ist sehr individuell und darauf kann ich im einzelnen in diesem Beitrag leider nicht eingehen.  (Bei Bedarf gerne in einem separaten Artikel)

Der Notkaiserschnitt kann primär oder sekundär erfolgen. Es ist eher eine Definitionsbezeichnung, welche die Dringlichkeit untermauert. Das Wohl der Mutter und/oder des Ungeborenen ist in Gefahr. Es besteht sofortiger Handlungsbedarf!

Ich beschreibe hier  den Ablauf eines geplanten Kaiserschnittes = primär sectio.
(Es kann auch hier von Klinik zu Klinik andere „Standard“-Abläufe geben.)

Zu Beginn kommt ihr in der Klinik an und werdet bürokratisch aufgenommen. Dann betretet ihr den Kreissaal und bekommt ein Bett zugeteilt. Eine Hebamme untersucht euch und es wird evtl. noch einmal ein CTG (Kardiotokografie, engl. Cardiotocography) geschrieben, um das Kind zu beurteilen. Die OP-Kleidung wird gebracht und darf angezogen werden. (Ja, es ist ein Flügelhemd, alles andere würde auch keinen Sinn machen^^)

Meist bekommen die Frauen noch im Kreissaal eine Infusionsnadel mit einer Infusionslösung, da die „einbestellten“ Frauen meist nüchtern kommen sollen. Sprich, sie sollen mindestens sechs Stunden nichts gegessen haben.

Randbemerkung zur Nüchternheit bei OPs: Es ist eine reine Vorsichtsmaßnahme! Bei einer Vollnarkose werden dem Patienten Medikamente zum einschlafen verabreicht, welche auch den Schluckreflex hemmen. Der bereits schlafende Patient wird einige Minuten mit einer Maske zwischenbeatmet, damit die Medikamente vollständig wirken können, bis letztendlich ein Beatmungsschlauch gelegt werden kann. Sollte der Magen gefüllt sein, könnte es sein, dass durch den Beatmungsdruck, welcher dabei entsteht, der Mageninhalt noch oben läuft und im schlimmsten Fall in die Lunge gelangt. Dort kann es dann zur Lungenentzündung führen. Bei Notfallpatienten, wo eine Nüchternheit ausgeschlossen ist – weil unbekannt – wird ein anderes Verfahren angewendet. Dort werden schneller wirksamere Medikamente gespritzt und direkt der Beatmunsschlauch (als Aspirationsschutz = Verschlucken) gelegt. Aber nun zurück zum geplanten Kaiserschnitt und dessen Narkoseform.

Die Spinalanästhesie (Betäubung des Rückenmarks) wo die Nüchternheit nicht Voraussetzung ist. Da jede Klinik aber auf Nummer sicher gehen möchte, raten sie zur Nüchternheit für den Fall eines Notfalls.

Bevor die Frau also in den OP gebracht wird, bekommt sie auch noch eine Natriumcitratlösung zu trinken. Dies soll die Magensäure neutralisieren. Das ist eine reine Vorsichtsmaßnahme. Auf Grund der Anatomie, dass das Baby meist den Magen noch oben drückt, gelten Schwangere klinisch als „nicht nüchtern“. Aber keine Sorgen, sollte es zu einem Notfall kommen, wissen die Ärzte genau was zu tun ist, um Folgeschäden wie eine Lungenentzündung zu vermeiden.

Nun kommt der/die Narkoseärztin und stellt sich zusammen mit der/dem Schwester/Pfleger vor und nehmen die Frau mit. Sie darf nun auf einen OP-Tisch klettern, steigen oder schweben und wird  in den OP-Saal gefahren. Ich weiß das es ein blödes Gefühl ist, wenn man nur die Decke sieht und liegend geschoben wird – habe selber einige Operationen erlebt. Aber es geht nun mal nicht anders.

Im OP angekommen darf sich die werdende Mama nicht wundern, es sind ziemlich viele Menschen in so einem Saal, und sie machen alle nur ihre Arbeit. Die OP-Schwestern sind meist zu zweit. Eine welche steril arbeitet und eine andere, die für sie die sterilen Werkzeuge parat hält. Vielleicht sieht man auch noch eine(n) Auszubildende(n).

Am richtigen Platz angekommen, werden die Monitorkabel angebracht. Blutdruckmanschette, EKG und ein Fingerklipp für die Sauerstoffsättigung.

Die Spinalnarkose wird vorbereitet und die Frau darf sich aufsetzen oder aber auf die Seite drehen. Der Rücken wird mit einer steriler Lösung desinfiziert – ACHTUNG: ziemlich kalt! Und dann wird die Haut mit einem kurzem Picks betäubt. Nach wirklich kurzer Einwirkzeit wird mit einer speziellen Kanüle zwischen den Wirbeln in dem Spinalraum ein Lokalanästhetikum (=lokales Betäubungsmittel) gespritzt. Um an die richtige Stelle zu gelangen ist es vom Vorteil, wenn die werdende Mutter versucht einen möglichst runden Rücken zu machen, damit die Wirbel auseinander gezogen werden. Keine Sorgen, das Personal weiß, dass es mit einem Baby im Bauch nicht immer einfach ist, still zu sitzen oder gar einen runden Rücken zu machen.

Hier kurz PDA erklärt: Eine PDA ist eine Peridualanästhesie. Es ist ein anderer Wirkungsraum. Die PDA wird bei natürlichen Geburten gelegt und kann z.B. bei einer sekundären Sectio als Betäubungsmittel genommen werden. Dabei wird die PDA „aufgespritzt“ mit dem selben Resultat eine Spinalanästhesie)

Nachdem das Medikament wirkt, wird die Frau wieder hingelegt- da sie vielleicht die Beine selbst nicht mehr steuern kann.

Operativer Eingriff 5
Nun kommt der Teil, wo sich einige Mütter wie ausgeliefert vor kommen. Sie wird für die OP gelagert. Meist leichte Linkslage, arme rechts und links ausgelagert. Der Bauch wird desinfiziert und ein Blasenkatheter wird gelegt. Dieser wird wegen zwei Gründen gelegt- zuerst damit die Blase entleert ist und man den Kaiserschnitt durchführen kann (die Blase ist anatomisch vor der Gebärmutter) und zweitens, die Mutter kann einige Stunde nicht aufstehen und selbst zur Toilette gehen. Der Katheter wird meist wenige Stunden, spätestens am nächsten Tag wieder entfernt, wenn alles planmäßig verläuft.

Ein Tuch deckt nun den „Sterilbereich“ ab. Und ihr seht auch nichts mehr. Bevor der erste Schnitt gemacht wird, testen die Ärzte mit z.B. einer Pinzette, ob wirklich betäubt ist. Zudem testen und überwachen die Anästhesieärzte immer die Mutter und ihren Kreislaufzustand.

Die Vorbereitungen sind also beendet und nun kann der Papa hinzu kommen. Alles läuft nach Plan und die Frauenärzte können den ersten Schnitt machen. Der werdende Papa darf sich meist an das Kopfteil der Frau setzen und nun beginnt das Warten.  Es dauert in der Regel keine 10-15 Minuten bis das Baby komplett da ist. Die meisten Frauen, die ich begleiten durfte, haben immer etwas gespürt oder gemerkt. KEINE SCHMERZEN! Eher ein drücken, ruckeln oder ähnliches. Es kommt auf die Lage des Kindes an, ob die Ärzte beim „rausholen“ von außen auch mit schieben. Dabei drücken sie von außen auf den Bauch, was etwas unangenehm sein könnte, da wie gesagt der Magen sehr weit oben gelagert ist.

Kaiserschnitt abdominal caesarean section Geburt Baby

Der erste Schrei

Das Baby ist geboren und alle im Saal freuen sich mit den Eltern über dieses Wunder. Ich muss an dieser Stelle auch gestehen, dass ich die Reaktion der Eltern immer aufgesogen haben und es wundervoll fand, in einem so magischen Moment teilhaben zu dürfen – wenn auch als Zuschauer.

Es kommt nun sehr auf die Klinik an, wie diese es handhaben. Bei uns war es so, dass das Neugeborene – je nach Zustand – den Eltern gezeigt wurde, kurzer Hautkontakt und dann direkt ins Nebenzimmer gebracht wurde. Dort wartet immer schon ein Kinderarzt für die erste Untersuchung. Es wird aus der Nabelschnur Blut abgenommen, das Baby wird abgehört, gewogen und gemessen. Nach der U1 (erste Vorsorgeuntersuchung) dürfen die Babys zurück in den OP zur Mutter. Die Zeit für die erste Untersuchung variiert. Je nach Arzt, Status vom Säugling und Ablauf im Nebenraum.

Im OP wird in der Zwischenzeit natürlich durchgehend die Mutter und ihr Kreislauf überwacht. Die Ärzte lösen noch die Plazenta und es werden Medikamente verabreicht. Bei uns war es Standard ein Antibiotika zu geben, und nach der Plazenta-Geburt ein Medikament zur „Kontraktion des Uterus“ damit sich die Gebärmutter wieder zusammenzieht.

Ein Kaiserschnitt ist hormonell etwas völlig anderes als eine „natürliche“ Geburt. Der Frau fehlt die eigens hormonelle Cocktail im Körper, welcher perfekt auf den Ablauf angepasst ist. Mit den Medikamenten unterstützt man die Frau und gibt von außen Signale.

Die Ärzte sind nun damit beschäftigt alle sieben Hautschichten fein säuberlich wieder zusammen zu nähen, was wirklich länger dauert als diese zu durch trennen. Während der OP werden die Eltern vielleicht einige Dinge sehen, die ihnen Angst machen könnte. Braucht es aber nicht, fragt das Personal.

Beispielsweise wäre da ein Absauger, welcher immer an ist und das Blut aufsaugt. Bitte nicht erschrecken wenn dort plötzlich 500-700 ml zu sehen sind, da ist meist größtenteils Fruchtwasser mit drin. Der Blutverlust bei einer normalen Entbindung ist auch von Natur aus vorgesehen.

Nun ist also die Naht gemacht, es kommt ein Pflaster darauf und die Familie darf zurück in den Kreißsaal. Nun kommt hier auch etwas sehr wichtiges: Bonding. Kuscheln, kuscheln und nochmal kuscheln! 🙂

Ich möchte noch einmal erwähnen, dass ich von einem geplanten Kaiserschnitt ausgehe. Es gibt Fälle, wo die Mütter zur Überwachung in den Aufwachraum der Anästhesie müssen, oder aber dass die Kinder in der Kinderklinik wegen Auffälligkeiten überwacht werden müssen. Es gibt unzählige Fälle, aber ich beschreibe hier den „Regelfall“. Ich durfte zum Glück ganz viele solcher „Regelfälle“ betreuen.

Mit diesem Artikel möchte ich den Familien die Angst nehmen, und als größter Tipp: Fragt bitte so lange und so viel, bis ihr alles verstanden habt, was für euch wichtig ist. Es gibt keine blöden Fragen!

Habt ihr einen Kaiserschnitt erlebt? Findet ihr in dem Artikel vergleichbares? Habt ihr Fragen zu eurer Geburt? Lasst mir gerne einen Kommentar da oder teil diesen Artikel, wenn er euch gefallen hat.

Liebe Grüße,
Eure Jasmin

  1. Hallo Jasmin, habe deinen Beitrag gelesen und möchte gerne meine Erfahrung als Papa einbringen. Könnte zweimal einen KS erleben. 2014, nach starken Wehen über zwei Nächte, würde unser Sohn mit WKS geboren. Ich durfte dabei sein und empfand die OP wunderbar, war nur viel zu neugierig für den Anästhesisten, der mich immer wieder zurück halten müsste. Alles verging im Flug, auch die Zeit im Überwachungsraum. In diesem Januar war alles anders. Haben uns von Beginn an für einen WKS entschieden, das das Becken meiner Frau nicht ganz so gebärfreudig ist. Da wir aus Südtirol kommen, haben wir die großen US bei einem privaten Gyn machen lassen und die kleinen Untersuchungen im KH. Als wir die Empfehlung und den Wunsch zu einem KS verbrachten, kam ich mir wie ein Verbrecher vor. Dann kam der 26. Januar. Um 8 im KH sein, Vorbereiten und ewig warten. Ein Notfall kam nicht rein. Gegen Mittag wurden wir Dan Richtung OP gebracht, das schon Horror. Ich wartete mit meiner Frau im Keller mit ca 8 weiteren Menschen, die auf eine OP warteten. Nach einer Weile kam der Pfleger und legte die Zugänge (nahm zweimal den Grauen, was uns ziemlich verunsicherte, da im anderen KH nur ein Kleiner mit Doppelanschluss verwendet wurde). Auf Nachfrage antwortete der Pfleger, dass es so sein muss, da das und jenes passieren kann. Der erste Schock. Dann hörte ich Schreie von anderen Patienten, die iwo im Aufwachraum oder so waren. Wieder warten. Dann haben Sie meine Frau geholt. Ich durfte nicht mit, da es die Anästhesisten verboten. So saß ich und bekam mit, wie Patienten zwischengeparkt wurden. Niemand hat sich um mich gekümmert, gelegentlich mal Schwestern, die gefragt haben. Eine gefühlte Ewigkeit später kam dann unsere Maus und wir konnten Kuscheln. Seit dieser Zeit habe ich gelegentlich Probleme, das ganze zu verarbeiten, da der erste KS für mich ein Traum war. Habe die drei Tage, die meine beiden im KH waren, immer die Dinge angesprochen, doch niemand ist darauf eingegangen. Ich hoffe, dass es anderen Papas besser ergangen ist und noch ergeht…

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  2. Hallo Jasmin, sehr schöner Artikel! Es gibt allerdings vor dem Kaiserschnitt Natriumcitrat zum Neutralisieren der Magensäure, kein Nitrat (soweit ich mich erinnere 😉 ). Liebe Grüße!

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    1. Liebe Constanze, aber klar doch. Danke, hab es schon ausgebessert 🙂 liebe grüsse

  3. Sehr schöner Beitrag der das wichtigste verständlich zusammenfasst.

    Ich selbst bekam meine 3. Tochter per geplantem Kaiserschnitt . Ich hatte schon Bammel, zumal ich auch aus dem OP komme (schon 6 Jahre her, aber man weiss noch einiges, grad bzgl. Narkose)

    Es war ein ganz neues Gefühl, so „ausgeliefert “ zu sein. Bzw. Ein Kind zu bekommen ohne Wehen oder Pressen. Meine Grossen kamen beide spontan zur Welt . Ich wusste aber immer, dass es so per Kaiserschnitt besser ist. Das Risiko, dass es bei mir wieder Probleme gibt, war mir zu hoch.

    Das OP-TEAM war super nett und auch lustig. Die Hebamme war auch immer anwesend so dass ich mich rundum gut betreut gefühlt habe. Das ist Grundvoraussetzung finde ich .

    Als Tipp kann ich nur allen Bald-Mamas geben:
    Denkt, wenn Euch mulmig wird oder die Angst zu gross wird, an das, was auf Euch wartet. Das größte Wunder, dass es auf Erden gibt. Bald werdet ihr Euren kleinen Zwerg im Arm halten.
    Das hat mir sehr geholfen.

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    1. Liebe Bianca, danke für deinen Kommentar. Du hast völlig recht, das Wunder in Armen zu halten ist unbeschreiblich. Ich freue mich sehr, dass du dich gut aufgehoben gefühlt hast. Liebe grüsse

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