Horror: Krankenhaus mit Kleinkind

Das Fieber kam und ging. Zuerst habe ich die Zähne im Verdacht gehabt. Wie jede Mama, habe auch ich mir Gedanken und Sorgen gemacht. Es kam eine Rotznase und Husten dazu. Zunächst haben wir mit einmaliger Nurofen-Gabe (Fieber/Schmerzmittel) dagegen wirken können. Dann haben wir zusätzlich angefangen mit Kochsalz zu inhalieren. Den Pariboy (Inhalationsgerät) hatten wir schließlich schon zuhause.

Dann war auch meine „Zuhause-Kapazität“ erreicht. Als es nicht besser wurde und Arno das Atmen immer schwerer viel, sind wir am Samstag Abend in die Kinderklinik gefahren.

Dort angekommen misst die Schwester gleich die Sauerstoffsättigung mit Hilfe eines Fingerclips. 90% Nicht gerade ausreichend für ein Kleinkind. Aktuelle Temperatur in der Klinik 39,6. Urinprobe wird dank Windelfrei in den Becher abgegeben. Erste Verdachtsdiagnose: Lungenentzündung, vor allem aber Bronchitits. Erst einmal stationäre Aufnahme.

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So oder so ähnlich hat es vielleicht schon die ein oder andere Familie erlebt. Ich weiß, wie gestresst wir Mütter und auch die Väter reagieren, wenn unsere Kinder ernsthaft krank sind. Ich schreibe bewusst ernsthaft, weil wir alle den Unterschied kennen. Eine Rotznase ohne Fieber ist kein Problem, nur nervig. Husten ohne Fieber ist genauso nervig. Genauso stoßen sich Kinder öfters an, oder fallen hin und haben Beulen. Das Stress-Level was Erkrankungen betrifft ist also bei uns Eltern sensibilisiert.

Wenn wir Eltern aber Rat brauchen, suchen wir einen Kinderarzt auf – oder gehen wie wir am Wochenende in die Klinik oder KVB-Praxis.

Genau an dieser Schnittmenge würde ich gerne Einblicke darstellen. In der Hoffnung, auf allen Seiten mehr Verständnis für einander zu hinterlassen. Ich habe schließlich beide Seiten kennen lernen dürfen.

Auf der einen Seite ist also die gestresste Mutter/Familie, die voller Sorgen um ihr Kind ist. Natürlich möchten sie schnellstmöglich behandelt werden und Kommunikation ist in solchen Momenten das Wichtigste.

In der Klinik (ich nehme nun dieses Beispiel) stehen uns wiederrum oft gestresste Krankenschwestern und Ärzte gegenüber. Vielleicht haben diese schon die letzte Stunde ihrer anstrengenden Schicht erreicht. Einige werden nun sagen, es ist doch deren Job, hilfsbereit und freundlich zu sein. In Zeiten jedoch, wo die Wirtschaftlichkeit vor der Menschlichkeit steht und das Personal Druck von den Geschäftsführer bekommt, noch effektiver arbeiten zu müssen als sie es eh schon tun, verursacht DAS noch mehr Stress.

Hier also die Tipps, für alle Mütter/Väter/Eltern, die in eine Klinik müssen und auch dort aufgenommen werden. Oder aber ein Frühchen bekommen oder ähnliches.

Fragen stellen – es gibt keine Dummen!

Egal um was es geht, immer jemanden Fragen, denn nur durch Verstehen und Wissen können Ängste abgebaut werden. Ihr habt das Gefühl in der Notaufnahme vergessen worden zu sein, weil schon lange Zeit keiner mit euch gesprochen hat. Traut euch an der Information nach zu fragen, wie lange es noch dauert. Ihr wisst nicht, welche „Kabel“ alles der Überwachung dienen und versteht den Sinn einer Urinprobe nicht – fragt nach. Lasst es euch erklären, wenn ihr es wissen wollt.

„Kabel“ zur Überwachung – meist Routine

Es ist häufig der Fall, dass im Krankenhaus die Kinder überwacht werden, z.B.nach einem sehr hohen Sturz mit Verdacht auf eine Gehirnerschütterung. Da werden regelmäßig Blutdruck, Puls und Pupillen kontrolliert. Bei einer Lungenentzündung meist die Sauerstoffsättigung anhand eines „Fingerclips“ – der rote Leuchtfinger. Was einige natürlich auch zu einem „Kabel“ zählen, ist die Infusion. Bei dem ganzen Überwachnungsequimpent traut euch auch nachzufragen. Auf was müsst ihr achten, wenn das Kind mobil ist. Welche sogenannten „Kabel“ sind unempfindlich, welche empfindlich. Ein Sauerstoffkabel kann z.B. nichts am Körper kaputt machen, wenn Spannung oder Zug darauf kommt. Bei der Infusion kann zu viel Zug bedeuten, dass die Kanüle herausgezogen werden kann. Im Übrigen, was einige nicht bewusst wissen, die Venenverweilkanüle besteht aus sehr dünnem Plastik. Es ist klar ein Fremdkörper, aber es sollte beim Abknicken nicht schmerzen. Lediglich zur Anlage wird eine dünne Metallnadel verwendet.

Eingriffe am Kind – Entscheidung zum Beistand oder Abwesenheit

Ich habe Eltern erlebt, denen war es lieber sie würden die Anlage einer Infusion nicht sehen bzw. möchten sie durch ihre Angst dem Kind nicht noch mehr Angst machen. Wieder Andere lassen ihr Kind niemals aus den Augen und sind bei allen Untersuchungen und Eingriffen dabei. Egal wie, es muss sich stimmig anfühlen und darf authentisch sein. Wenn die Mutter keine Nadeln sehen kann, sollte sie nicht unbedingt anwesend sein. Evtl kann dass der Vater übernehmen oder eben die Schwester dem Kind beistehen. Ich persönlich halte mein Kind lieber selber fest, wenn etwas gemacht werden MUSS. Aber es sollte jede Person für sich entscheiden, wo dessen Grenzen liegen. Kinder sind sehr tapfer, wenn man mit ihnen ehrlich ist. Lieber sagen wir, es kann kurz weh tun oder pieksen, anstatt sie zu belügen. Es gibt z.B. gewisse „Zauberpflaster“ welche aufgeklebt werden können und die Haut oberflächlich betäuben. Wir haben diese immer vor den Operationen schon auf Station kleben lassen, so dass im OP ein wirklich schmerzfreier Zugang (Infusionsnadel) gelegt werden konnte. Wenn natürlich in der Notsituation dafür keine Zeit ist, wird es ohne gemacht, da das lokale Anästhetikum eine Zeit lang braucht um zu wirken. Aber auch hier, wenn ihr als Eltern das Wissen über solch ein „Zauberpflaster“ habt, könnt ihr darum bitten. Wenn die Infusion z.B. auch in einer Stunde noch reicht, gelegt zu werden.

Emotionen zulassen

Das ist wohl das schwierigste überhaupt, denn wir möchten für unsere Kinder „stark“ sein. Sind wir aber nicht auch authentisch, wenn wir unsere Sorgen auch mitteilen? Und damit meine ich jetzt nicht, vor dem Kind einen Heulkrampf zu bekommen – nein, ich meine damit ehrlich zu sich selbst zu sein. Wenn es eben nicht nur eine Kleinigkeit ist und man mit der Situation überfordert ist, darf man das auch zeigen. Ich bin auch fest davon überzeugt, dass Kinder sowieso spüren, wenn wir etwas verheimlichen oder eben versuchen Emotionen zu unterdrücken.

Hilfe organisieren – ein Elternteil darf beim Kind bleiben

Hilfe anfordern und zulassen. Wenn ein Kleinkind in eine Klinik aufgenommen wird, können wir Mütter oder auch die Väter mit aufgenommen werden. Heißt, als Begleitperson mit dem Kind im Krankenhaus übernachten. Vorteil ist ganz klar, das Kind hat eine vertraute Person rund um die Uhr bei sich und die ungewohnte Situation kann besser verkraftet werden. (Es gibt hier Unterschiede bei den Krankenkassen bezüglich Kostenübernahme, bis ca. neun Jahre werden die Kosten immer übernommen, danach in gesonderten Fällen und nach Begründung des Arztes)

Aber was ist mit dem Geschwisterkind zu hause, der Katze, dem Hund oder der Wäsche, die noch in der Waschmaschine ist und vielleicht schimmelt, bis man wieder nach Hause kommt. Der Vater muss nun von der Arbeit fern bleiben und alles daheim organisieren. Hier steht jedem Haushaltshilfe zu, sogar Kostenausfall, wenn der Mann nicht arbeiten kann. Hilfe organisieren ist sehr wichtig. Egal ob es um einen Bringdienst von frischer Wäsche in die Klinik geht oder aber um Emotionale Hilfe, dass man sich mal auskotzen kann, wie schrecklich alles ist.

Vertraute Gegenstände mitnehmen – Vertraute Dinge machen

Es kommt natürlich ganz darauf an, aus welchem Grund ein stationärer Aufenthalt von Nöten ist. Eines habe ich allerdings oft beobachtet. Wenn die Kinder etwas vertrautes von Zuhause dabei haben, fühlen sie sich wohler/sicher. Sei es das Kuschelkissen, ein Stofftierchen oder aber die Holzklötze mit denen jeden Tag gespielt wurde. Für mich war es z.B. meine vertraute „Medizin“, die ich unbedingt mitnehmen wollte. Das war zum Einen das Thymian-Myrte-Balsam, ein homöopathischer Hustensaft und unsere Stoffwindeln. (Das mit den Stoffwindeln ging übrigens prima, ich hatte lediglich Überhosen dabei und habe in der Klinik nach Mulltüchern verlangt. Diese haben gut gefaltet sogar Nachts gehalten)

Wir haben auch in der Klinik nicht auf unser Familienbett verzichtet. Die Überwachungskabel und auch der Sauerstoff-Schlauch waren auch dafür lang genug. Arno hätte eh nicht ohne mich geschlafen. Das Klinikpersonal hat sich dazu übrigens nicht geäußert. Ich möchte nur anmerken, dass es natürlich nicht bei jedem Krankheitsbild machbar ist. Aber nochmal, wenn ihr etwas nicht versteht, fragt nach und lasst euch die Gründe erklären.

Ich hoffe sehr, dass euch allen ein Klinikaufenthalt erspart bleibt. Und wenn doch, dass ihr ein paar Tipps für euch habt mitnehmen können. Auch wenn ich nichts rechtfertigen will, sondern nur Verständnis schaffen möchte, das Pflegepersonal und die Ärzte tun meist ihr Bestes – wirklich.

Ihr Schwestern, Pfleger und Ärzte, vergesst niemals empatisch zu sein. Gerade bei der Behandlung kleiner Kinder und Kinder bedarf es viel Einfühlungsvermögen. Die Kommunikation mit den Eltern ist oft das Wichtigste und auch mit entscheidend für die Genesung.

Falls Ihr noch Fragen zu dem Thema habt, schreibt es mir gerne in die Kommentare. Ich freue mich von euch zu lesen und wünsche Euch und euren Liebsten eine tolle und vorallem gesunde Zeit 🙂

Liebe Grüße, Eure Jasmin

  1. Liebe Jasmin, da habt ihr ja auch eine anstrengende Zeit, hoffentlich, hinter euch. Wie geht es Arno jetzt? Du hast das gut zusammengefasst. Das werde ich sicher mal Krankenhausneulingseltern zukommen lassen.
    Miri hat sich am Karfreitag beim Sturz von einer Dachbodentreppe den Ellenbogen gebrochen. Der Arm stand ganz schief im Gelenk und da wußte ich schon, was auf uns zu kommt. Kurze Zeit später nahm ihr Ellenbogen monströse Ausmaße an. Ziemlich genau vor 2 Jahren hatte sie dasselbe schon mal. 4 Stunden später, um 10 Uhr abends, war sie im Op-Saal. Am nächsten Tag bin ich mit ihr auf eigenen Wunsch nach Hause gegangen. Erholen konnte sie sich zu Hause besser. Sowohl der Arzt als auch die Schwester hatten dafür Verständnis und es waren dort alle wirklich sehr nett. Vor 2 Tagen kam in einer kleinen Op die Drähte wieder raus. Da waren in meinem Zimmer Eltern von einem 14 Monate alten Kind, die sehr beunruhigt waren, weil die Op bei ihrem Kinder länger dauerte als erwartet. Ich habe sie beruhigt und auf den Anblick der Maschinen vorbereitet. Das ist beim ersten Mal ja beunruhigend. Später saßen wir im Aufwachraum neben unseren Kindern und die Mutter war sehr glücklich, ihr Kind wieder in den Arm zu haben. Liebe Grüße Dagmar

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    1. Liebe Dagmar, Arno geht es schon wieder besser, allerdings durch die Wetterschwankungen hat er schon wieder eine Rotznase. Danke für deinen Kommentar. Gerade wenn Operationen anstehen, weiß ich wie es ist, wenn Eltern Ängste verspüren. Zum Thema Zeit bzw. Op-Länge: Was geplant ist, kann aus Erfahrung und Schätzung oft zu treffen, allerdings sind 30 Min länger oft kein Thema im Op. Gerade bei Kindern haben wir uns Zeit genommen für die Einschlafphase und genauso auch für die Aufwachphase. Als Anästhesieschwester habe ich oft dazu gesagt, dass sie sich keine Sorgen machen sollen wenn es länger dauert als der Chirurg gesagt hat. Aber trotzdem ist ein Krankenhausaufenthalt mit Kinder sehr anstrengend für die Nerven. Klettert Miri wieder weiter? Alles Liebe

  2. Liebe Jasmin, danke für diesen Bericht.
    Was ich persönlich noch ganz wichtig finde, ist dass beide Seiten Verständnis füreinander haben, sowohl das Krankenhauspersonal für die Eltern, als auch umgekehrt. Manchmal mag Personal schroff wirken oder etwas unbedachtes sagen. Es sind eben auch nur Menschen. Oder man gefühlt ewig mit etwas allein gelassen. Da hilft dann wirklich nur nachfragen. Madam war ja nach der Geburt erstmal eine Woche zur Überwachung auf der Intensiv. Letztendlich waren es nur Anpassungsschwierigkeiten, dennoch war es gut, dass sie überwacht wurde. Es war viel los und es wurde von Tag zu Tag entschieden, wie es weitergeht. Ich wollte dann ein Gespräch mit einer der Kinderärzte. Das wurde mir zugesagt, dann kam ewig nichts. Auf Nachfrage wurde mir dann erklärt, dass gerade ein sehr intensiver Notfall auf die Station gekommen war, das hatte ich am Rande sogar mitbekommen (Notsectio in der 16./17. Woche, also fraglich, ob das Baby überhaupt durchkommt). Dennoch hat sich dann am Abend, als ich zum Stillen auf Station war, eine der Ärztinnen Zeit genommen, mir alles erläutert, warum was wie gehandhabt wurde. Meine dauernde Fragerei hat mir keiner übel genommen, ich denke, das tut auch niemand, denn sie wissen ja alle, dass man sich Sorgen macht. Aber man muss eben auch das Verständnis haben, dass es manchmal etwas gibt, was noch Vorrang hat, auch wenn man es anders empfindet. Wenn beide Seiten da offen füreinander sind, denke ich, dass ein Aufenthalt um einiges ruhiger laufen kann.

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    1. Liebe Jasmin, Miri ist wieder ziemlich aktiv. Ihr Arm ist ja noch angewinkelt, das kann ja ein paar Wochen dauern, aber sie macht eben alles mit links. Ich glaube, daher kommt die Redewendung. Die Op vor uns hatte wesentlich länger gedauert, Miri sollte um 10 in den Op, aber das Mädchen vor ihr wurde fast 2 1/2 Stunden länger operiert als geplant, weil erst bei der Op festgestellt wurde, das etwas anderes vorliegt als erwartet. DIe Mutter war zutiefst beunruhigt . Ich hatte so eine ähnliche Situation mal bei meinem ältesten bei einer Hodenhochstandop, die sich dann als wesentlich aufwendiger herausstellte und auch viel länger gedauert hatte. Da war mein Ältester aber kein Kleinkind mehr. Die Mutter litt jedenfalls sehr und stellte sich alle möglichen Horrorszenarien vor. Ihre Erleichterung danach zu sehen hat mich selbst ganz froh gemacht. Liebe Grüße Dagmar

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