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Unsere Kinder von Fremden betreuen lassen?

In dem letzten Artikel habe ich darüber geschrieben, wie anstrengend es für mich ist Mutter und Frau zu sein. Die Kinder nach meiner Vorstellung aufwachsen zu sehen und gleichzeitig mich und alles andere nicht zu vergessen.

Da kommt häufig von außen der Rat: „Wie wäre es denn mit einer Fremdbetreuung für die Kids?“ Ich hätte wieder ein paar Stunden für mich, oder aber um in Ruhe arbeiten zu können. Einmal Zeit für das Haus, alles ordentlich zu putzen. Mal wieder Zeit einen Yoga-Kurs zu besuchen oder Joggen zu gehen. Die Beratungen ohne Kinder durch zu führen. Nun ja, die Antwort im Moment für uns lautet: NEIN.

Zu Beginn unserer Elternrolle war uns das so noch nicht klar. Als Mina geboren war, hatte wir sie schon für einen Krippenplatz angemeldet. Um unseren Lebensstandard halten zu können war uns klar, dass ich nach der Elternzeit, wo es ja Elterngeld gibt, wieder halbtags arbeiten möchte bz. muss. Wir hatte uns allerdings damals schon offen gehalten, sollte es Mina nicht gut gehen, würde ich nicht arbeiten gehen.

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Mina kam mit 11 Monaten in die Krippe. Uns war natürlich wichtig, welche Art der Einrichtung es sein sollte. Wir wollte einen geschützten und geborgenen Raum für unser Mäuschen. Wir wollten einen guten Betreuungschlüssel. Was heißt, dass genug Betreuuer für die Kinder da sind. (Bei ihr waren es damals 3 Erwachsene auf max. 12 Kinder unter drei Jahre).

Wir gingen zu Info-Abenden und Kennenlern-Terminen und haben dann in der Montessori-Einrichtung im Ort einen Platz bekommen. Die Eingewöhnung ging erstaunlich schnell. Mina hat nach nicht einmal einer Woche Bezug zu einer Erzieherin aufgebaut und konnte mich gehen lassen und sich auf Entdeckertour begeben.

Vielleicht ist es damals auch so gut gelaufen, weil Mina zu diesem Zeitpunkt noch viel gestillt hat, sowieso getragen wurde und familiengebettet war (noch immer ist;-)). Als ich sie dann nach der Arbeit abgeholt hatte, war das erste – noch in der Kita – dass sie stillen wollte. Das werde ich nie vergessen.

Was uns allerdings auch sehr in Erinnerung geblieben ist, dass wir sie leider auch einmal weinend, sogar schreiend zurück gelassen haben. Mein Herz hat geblutet, ich wollte sie wieder mitnehmen. Jedoch wurde ich mit beruhigenden Worten weggeschickt, dass ich darauf vertrauen kann und sie sich schnell beruhigen wird. Als ich sie dann Mittags abgeholt habe, hat man mir gesagt, dass sie sich ganz schnell beruhigen ließ.

Was ich jetzt darüber denke? Klar hat sie sich beruhigt. Sie hatte schlicht keine andere Wahl. Ich bin ja trotzdem gegangen, obwohl sie mir deutlich signalisiert hatte, es würde für sie in diesem Moment nicht passen. Es tut mir im Nachhinein sehr Leid, dass ich in diesem Moment andere Dinge priorisiert habe. Jetzt würde ich sie nicht mehr weinend zurück lassen, und ganz klar auf mein Herz und mein Bauch hören.

An dieser Stelle möchte ich auch betonen, dass Kinder an der Türe zum Kindergarten keine Machtkämpfe ausüben. Wenn sie äußern, dass sie nicht möchten, sollte man das Ernst nehmen. So sehe ich das. Manchmal sind es vielleicht auch nur 10 Minuten, die es länger dauert für den Übergang, die Verabschiedung.

Die Zeit verging, sie wurde größer. Arno kam auf die Welt, mein Ladenprojekt. Nach zwei Jahren Kita, ist sie im September letzten Jahres in die große Gruppe gewechselt.

Dort kannte sie schon die Erzieherin und auch einige Kinder. Leider bemerkten wir aber eine Veränderung. Zum einen äußerte sie, dass sie nicht ohne uns dort spielen möchte und zum anderen wurde sie zuhause aggressiver – mir gegenüber. Also ihr Wesen veränderte sich allmählich.

Dies hatte bestimmt viele Gründe. Der Stress mit dem Laden, den sie mitbekommen hatte. Ihre Kita-Freundin Martha ist weggezogen und der Wechsel in die große Gruppe. Sie hat es nicht verstanden in den Kindergarten gehen zu müssen, da ich ja mit Arno zuhause war.

Wir machten Pausen und haben dann letztendlich entschieden, den Vertrag zu kündigen und sie nicht mehr fremd betreuen zu lassen.

Das alles war ein Prozess, eine Entwicklung.

Für mich und meine Einstellung war unter anderem der Attachement Pareting Kongress in Hamburg 2014 sehr prägend. Dort habe ich André Stern reden hören und stellte grundsätzlich die Art der Kinderbetreuung in Frage. Gleichaltrige in eine Gruppe zu stecken. Ob es förderlich ist, Material zu haben wo die Kinder spielen und lernen können. Müssen Kinder in dieser Form gefördert werden? All solche Fragen stellte ich mir. Und es wird bestimmt jeder seine eigenen Antworten finden. Unsere Antwort ist, Kinder brauchen kein Aquarium – um es mit den Worten von André Stern zu formulieren. Die natürliche Umgebung, ihr Uuhause ist perfekt um zu erkunden, spielen und zu lernen. Die Natürlichkeits des Lernens/Spielens beschäftigt uns sehr, aber darüber könnte ich noch Stunden schreiben und es ausformulieren.

Jedenfalls:

Jetzt wo wir nicht mehr an feste Zeiten zum Bringen und Holen gebunden sind, leben wir deutlich stressfreier. Es war für uns tatsächlich ein enormer Stressfaktor, morgens pünktlich aus dem Haus zu kommen und in die Kita zu hetzen. Mina brauchte manchmal einfach ihre Zeit morgens, oder aber sie war schon völlig in ihrem Spielfluss, aus dem wir sie dann sehr brutal rausreissen mussten.

Arno würde ich jetzt z.B. aus Überzeugung nicht so früh in Fremdbetreuung geben, weil er es schlichtweg nicht zulassen würde. Er ist hier ganz anders als Mina.

Für September haben wir uns einen anderen Kindergarten angesehen und festgestellt, wir lieben unsere gewählte „Freiheit“ zu sehr. Mina geht erstmal in keinen Kindergarten. Wir möchte selber entscheiden wann wir aufstehen – wann, wie und was wir essen – wann, mit wem und wie wir spielen.

Aber das heißt jetzt nicht, dass wir zuhause nur rum sitzen und keine sozialen Kontakte haben. Im Gegenteil, jetzt können wir uns nicht nur für zwei Stunden am Nachmittag mit jemanden verabreden, sondern den ganzen Tag. Zusammen kochen und essen, was Mina sowieso gerne macht. In Gemeinschaft schmeckt es uns allen am besten 😉

Dazu habe ich mich auch auf die Suche nach Alternativen gemacht. Kinder/Eltern finden, die ebenfalls nicht in einer Fremdbetreuung sind, und ich trotzdem E-Mails checken und auch ein bisschen Arbeiten kann. Da gibt es unter anderem den Rockzipfel Verein in München. An drei Tagen pro Woche kann man dort den ganzen Tag verbringen und ist in der Gemeinschaft von anderen Eltern. Es wird zusammen gekocht, gegessen und gespielt.

Jede Familie muss für sich einen Weg finden, damit alle Beteiligten glücklich werden.

Ich bin auch der Meinung, dass Fremdbetreuung an sich eine gute Sache ist. Tagesmütter, Kitas und Co. sind tolle Errungenschaften und die Pädagogen leisten tolle Arbeit, die meist leider viel zu schlecht bezahlt sind. Sie geben alle ihr Bestes zum Wohle unserer Kinder. Ich glaube aber auch, dass es nicht für jedes Kind optimal ist. Ich denke einfach, hier kann man – wie bei so vielen Dingen im Leben – nicht pauschalisieren.child-care-worker-624742_1280

Eine Eingewöhnung ist dabei ganz wichtig. Egal für welche Fremdbetreuung man sich entscheidet, das Kind muss vertrauen aufbauen und Bezug zu den Pädagogen herstellen können. Ohne geht es nicht. Am besten, man trifft sich auch mal privat und redet ganz offen miteinander. Die Erzieherin muss im Prinzip zu einer Art Freundin oder zumindest, einer sehr guten Bekannten werden.

Und sollte man feststellen, dass die anfängliche Entscheidung gut gelingt, aber nach einer gewissen Zeit es nicht mehr gut funktioniert – aus welchen Gründen auch immer – kann und sollte man Pausen einbauen und wenn es gar nicht mehr geht, beenden.

Ich bin der Überzeugung, dass man jederzeit seine Entscheidung für oder gegen eine Fremdbetreuung revidieren kann. Wir haben immer meistens die Möglichkeit die Fahrbahn zu wechseln und eine andere Richtung einzuschlagen, wenn wir dadurch ein besseres Gefühl und die Chance bekommen, die eh schon lange und anstrengende Reise für unsere Kinder leichter zu gestalten.

Ich freue mich auf Eure Kommentare und wünsche allen einen schönen Sonntag!

Liebe Grüße,
Eure Jasmin

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