Jahresrückblick 2015: Emotial, kräftezehrend und stärkend

Ein sehr turbulentes Jahr ist zu Ende gegangen. Nach dem Jahreswechsel kann ich ein Resümee ziehen und mit neuen Plänen und Vorsätzen starten – wie es wahrscheinlich jeder macht 😉

Das Freud und Leid nah beieinander liegen, wurde mir gleich zu Beginn sehr deutlich.

Unser Arno hatte seinen errechneten Entbindungstermin Ende Januar. Wir waren nicht so richtig im Nestbautrieb und noch voll mit der Planung vom „Wohlfühlkinder“-Laden beschäftigt, als mich eine wirklich traurige Nachricht erreichte. Mein längster Schulfreund, ach was, Kindergartenfreund, hatte sich am 16.01.2015 erhängt. Er hat den Freitod gewählt. Einfach so. Ohne Abschiedsbrief, ohne Anzeichen. Ein sehr lebensfroher, lebensbejahender und lustiger Mensch.

Der Schock saß tief und ich realisierte es nicht.

Wenn sich ein junger Mann – Mitte zwanzig – das Leben nimmt, ist die ganze Gemeinde tief bestürzt. Die Beerdigung war für den 26.01 um elf Uhr geplant. Urnenbeisetzung bei uns im Ort, nur zwei Straßen weiter. An genau diesem Tag setzten bei mir morgens früh um 5.00 Uhr die Wehen Wellen ein. An diesem Tag war ich nicht auf eine Geburt, sondern auf eine Beerdigung eingestellt. Aber wir planen eben nicht, wann ein neuer Erdenbürger zu uns kommt.

Um 13.25 Uhr erblickte dann unser kleiner Arno im heimeligen Wohnzimmer (Es war eine wuIMG_4128nderschöne, geplante Hausgeburt) das Licht der Welt. Ich durfte also nicht am Grab stehIMG_4153en und weinen, sondern mich des Lebens erfreuen. Wir sind wirklich sehr sehr glücklich und mit Liebe erfüllt. Mina schloss ihren kleinen Bruder auch direkt ins Herz, worüber ich mich sehr freute. Mein Wochenbett war leider auch durchwachsen. Eine sehr hohe Stromnachzahlung flatterte ins Haus. Mit einer solch hohen Summe hatte wir nicht kalkuliert. Dann fand Benny einen halben Meter hohen Schimmelfleck im Schlafzimmer. Wir wollten doch mit unserem Neugeborenen gemütlich kuscheln und bonden. Das wurde dann ins Wohnzimmer verlegt.

Dann, als Arno zwei Wochen alt war, musste er stationär im Zentralklinikum in Augburg aufgenommen werden, weil er sich einen RS Virus eingefangen hatte. Ich muss dazu sagen, als er geboren wurde, hatte Mina 39 Grad Fieber und war eine Woche krank. Vermutlich hatte er sich bei ihr angesteckt. Die Lungenentzündung wurde mit inhalieren, Atemtherapie und Sauerstoff in der Nase ausgeheilt. Der Klinikaufenthalt war fürchterlich. Darüber könnte sollte ich noch mal ausführlicher schreiben.

Neben diesen ganzen Aufregungen plante ich mit meiner Geschätfspartnerin weiter unseren Laden, in der Augsburger Innenstadt. Viele Dinge konnten telefonisch besprochen werden. Benny und mein Papa hatte mich handwerklich vertreten.

Arno war also vier Wochen alt und ich stand im Geschäft und hatte die Kasse programmiert und die Ware ausgezeichnet. Die EröffnungsfeierIMG_7420 war der Wahnsinn. So viele Kunden, so viele Bekannte und Verwandte. Ein echter Höhepunkt und ein sehr schöner Moment.
Die ersten zwei Monate waren der  Hammer 🙂 Die Frauen und Familien haben alle unser Konzept toll gefunden und waren begeistert. Einige besuchten uns wöchentlich. Arno war immer dabei. Unser Kängurubaby war dir ersten vier Monate nur im Tragetuch. Ich habe so viele tolle Eltern beraten und begleiten dürfen. Ich bin sehr dankbar für diese Zeit.

Doch dann wurde es zu viel. Zu viel Arbeit. Zu wenig Auszeit. Zu viel zu organisieren. Wir waren zwei Mütter mit insgesamt vier Kleinkindern.

Meinungsverschiedenheiten kosteten dann unser gemeinsames Projekt.

Nach hohen Anwaltsrechnungen trennte sich unsere GbR und ich versuchte es alleine weiterzuführen. Nach weiteren zwei Monaten, sechs Tagen die Woche 40 Kilometer pendeln, mit einem „Auto-Schrei“-Kind, hat mich die Kraft verlassen. Der Haushalt blieb logischerweise liegen. Mit dem Plan einen Käufer für den schönen Laden und das perfekte Konzept zu finden, inserierte ich. Doch leider wurde die Immobilie verkauft und ich musste/durfe aus dem Mietvertag frühzeitig raus.

Der Ladenauszug war nochmal ein heftiger Kraftakt und ohne meine Familie wäre ich verloren gewesen. Ich bin so dankbar für meine Familie. Sie stehen immer zu mir, egal welche Entscheidungen ich treffe.

IMG_5375Nach der Ladenschließung hieß es dann erstmal Familienurlaub machen. Neun Tage Rhodos waren sehr angenehm und wir konnte uns ausruhen. Direkt im Anschluss bin ich mit meiner Mama und den Kids nach Köln gereist. Ich wollte selber wieder Input und hatte mich zur Artgerecht Coachin ausbilden lassen.

Diese sehr schöne und auch intensive Zeit mit Nicola Schmidt von 123-windelfrei.de und Julia Dibbern hatten es in sich. Die vielen Bücher, die wir für den Kurs lesen durften,  die gesprochenen Worte und die Gefühle während dem Kurs, hatten etwas bei mir losgetreten.

Ich bin für mich Ende des Jahres an Grenzen gekommen und habe für mich neue Wichtigkeiten erkannt. Mir ist es wichtiger, einen Mann an meiner Seite zu wissen und zu spüren. Ich möchte nicht gefühlt eine Alleinerziehende Frau mit zwei Kleinkindern sein. Mir wurde klar, dass durch unser Haus und der damit verbundenen Komplett-Sanierung mein Mann an seine Grenzen kam. Er ist rund um die Uhr selbstständig und neben bei 100% Handwerker. Er schafft es nicht noch ein Papa zu sein, wie er es gerne möchte und ich mir wünschte.

Ich wollte mich und uns gesünder ernähren und war schon Anfang des Jahres „halb-vegan“. Konnte aber noch nicht komplett aus der alten Gewohnheit ausbrechen.

Also beschloss ich eine Auszeit zu nehmen. Ich war überzeugt, Benny hätte diese auch brauchen können. Es ging aber arbeitstechnisch nicht, und so bin ich allein mit den Kindern „ausgebrochen“. Über diese schöne und erholsame Zeit in Thailand hatte ich bereits hier berichtet. Ich kann nur jedem empfehlen: Wer intensive Zeit mit seinen Kinder erleben möchte und mal vom Alltag abschalten will, sollte für längere Zeit vereisen.

Zum Jahresende sind wir außerplanmäßig, etwas früher zurück gekehrt. Mina hatte Heimweh, mein Papa hatte Diabetes diagnostiziert bekommen und meine Mama wurde an der Hand operiert.

Uns zog es uns also zurück zu unserem Clan.

Die frühere Heimreise war völlig okay, denn so konnte ich mit Benny gemeinsam unseren neuen Weg planen. Unsere Vorsätze und Wünsche für 2016 aufschreiben. Eines habe ich jetzt schon geschafft, ich ernähre mich absolut vegan und fühle mich großartig!
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Das Jahr war wirklich aufreibend, emotional, kräftezehrend und auch stärkend. Ich lerne durch jede einzelne, neue Erfahrung und freue mich auf ein spannendes und tolles Jahr 2016.

Liebe Grüße,
Eure Jasmin

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