Nach Artgerecht in Thailand wieder zurück in die Kleinfamilienisolation

Morgens um sechs landete unser Flieger in München. Wir sehen noch keine Sonnenstrahlen, es ist stockdunkel. Der Papa wartete schon auf uns. Mina umarmte ihn ganz lange. Wir brauchen leider warme Jacken, denn es sind nur drei Grad.

Nach nun mittlerweile einer Woche zurück in Deutschland sind wir richtig  angekommen. Das Jetlag dauert diesmal lange und es war heute die erste Nacht, wo wir wieder im Rhythmus sind. Unser Thailand Urlaub war ein großes Abenteuer und Geschenk zu gleich.

Wir konnten einen ARTGERECHTEN Alltag leben. 

imageBereits in meiner Ausbildungswoche im Oktober zur Artgerecht Coachin in Köln habe ich gemerkt, wie gut es uns tut, wenn wir in einer Gruppe Gleichgesinnter sind. Im Kurs hatten wir darüber gesprochen, dass wir in unserer Evolution über drei Millionen Jahre im Clan gelebt haben. Wir haben als Gemeinschaft Beeren gesammelt, die Männer waren in Gruppen jagen. Die Babys wurden getragen, gestillt und niemals abgelegt.

Dann kam der Ackerbau. Die Nomadenzeit war zu Ende. In diesem Zeitalter fing es an, dass es weniger Gruppen gab, die Säuglinge abgelegt wurden und sie Ersatzmilch bekommen hatten. Die Frauen mussten schließlich zurück zur Feldarbeit. Die Industrialisierung hat unsere Natur noch weiter in den Hintergrund rücken lassen.

Ich spürte für mich, dass ich mich wieder nach einem Clan sehne.

Der Gedankenaustausch beim Artgerecht Kurs fühlte sich so gut an. Ich hoffte in Thailand Familien zu treffen, die uns ähnlich sind. Ich hatte ja bereits aus Deutschland schon Chatkontakt zu mehreren Familien, die ebenfalls nach Thailand reisten oder bereits dort waren.

Da waren wir also auf Koh Phangan, der Nachbarinsel von Koh Samui, und hatten unseren Clan gefunden. Sieben Erwachsene, neun Kinder und jede menge Freizeit.

imageMina hatte immer jemanden zum Spielen. Neben ihrer Gleichgesinnten Susanna suchte sie Kontakt zu den großen Jungs – wie sie selbst liebevoll sagte. Diese altersgemischte Gruppe empfand ich als perfekt. Von dem Kleinsten, Arno elf Monate, zum Größten mit sechs Jahren. Wir Erwachsenen konnten uns Austauschen oder einfach die Zeit genießen. Denn unsere Kinder waren den ganzen Tag beschäftigt.

„Kannst du kurz gucken, ich gehe auf die Toilette“ – wie einfach ging mir der Satz über die Lippen. Die Kinder waren vertieft in ihr Spiel und es waren genug vertraute Gesichte um sie herum. Es ist mir leicht gefallen, mir meine Zeit zu nehmen, als wir in Gemeinschaft waren. Auch wenn es wie in meinem Fall mal nur „in Ruhe zur Toilette gehen“ war.

imageWir führen als Big Family mit unseren gemieten Motorrollern über die Inseln.

Uns war es durch die Freizeit möglich, auf die Dynamik der Kinder zu reagieren. Es war einfach nur herrlich, sich nur Gedanken über das wann essen wir was zu machen. Das Tragen, Stillen, Windelfrei Praktizieren und gemeinsame Schlafen war in Thailand natürlich auch Tagesordnung.

Die Tragehilfe war ideal, denn Arno ging oft rein in die Trage und wieder raus. Ich konnte sie manchmal „angezogen“ lassen und ihn bei Bedarf wieder einpacken. Ein Tragetuch wäre für mich nur die zweite Wahl gewesen. Denn ich möchten dann immer perfekt binden 😉

Da es in den Tropen natürlich sehr warm ist, hatte er tatsächlich nur einen dünnen Body an, oder auch mal nackig in der Trage. Den auch hier gilt, das Tragetuch oder die Tragehilfe ersetzen eine Kleidungsschicht.

Der Wassersling kam nur am Land zum Einsatz. Mina durfte abends darin angekuschelt an meinem Rücken, auf der Roller Tour zum Bungalow, einschlafen.

Gestillt hat Arno an manchen Tage fast wieder voll, da der vierte obere Zahn durchgebrochen war. Ansonsten hat er via BLW (Baby-Led-Weaning) bei Mina und mir mitgegessen.

imageUnser „Windelfreikönig“ fühlte sich natürlich wohl, oft nackig zu sein. Wir waren fast rund um die Uhr draußen, und so konnte er oft ins „grüne“ pinkeln. Denn schon in Deutschland hatte er ein Problem mit Keramik. Ich weiß nicht warum, aber Arno macht am liebsten im Freien sein Geschäft. Das wir auch dort „Familienbett“ praktizierten ist fast klar. Wir schliefen alle wie gewohnt in einem Bett.

Wieder zurück in Deutschland fällt es uns dreien schwer, unsere Spur wieder zu finden.

Für Windelfrei im Garten ist es zu kalt. Arno meldet sich, brüllt jedoch im Bad, egal ob Toilette, Badewanne, Waschbecken oder Töpfchen und pinkelt lieber in seine Windel. Auch zum langen Spielen ist es zu nass und kalt. Trotz geeigneter Kleidung friert Mina schnell und möchte nach einer Stunde wieder rein. Sie sucht andere Spielgefährten, die wir nur nach Verabredung für ein bis zwei Stunden treffen.

Wir sind also wieder zurück in unserem isolierten Kleinfamilienleben.

Aber ich denke mir, was ich in Thailand geschafft habe muss hier auch gehen. Das Wetter und Klima können wir nicht ändern. Aber wir können zB in mehreren Etappen raus gehen und uns immer mal wieder aufwärmen. Wir möchten uns wieder mehr mit Familien verabreden und auch gemeinsam kochen und essen. Denn das liebt Mina sehr. Es teilt unheimlich gerne ihr Essen und isst wo anderst mit- das möchte ich ihr ermöglichen. Auch wenn wir in der Industrialisierung leben, können wir uns einen Clan erstellen. Es ist nur etwas aufwendiger, weil er nicht wie früher einfach vorhanden ist.

Lieber Leserinnen und Leser, geht es euch ähnlich? Habt ihr vielleicht auch „draußen-Kinder“ denen die Decke auf den Kopf fällt?

Mein Tipp an alle Mamas, Papas und Elternpaare, die sich in ihren vier Wänden einsam fühlen: Geht raus! Vernetzt euch über Online-Gruppen. Geht in lokale Krabbel- und Spielgruppen. Sucht euch Eltern und Kinder die euch gut tun. Unternehmt etwas als Familie!

Wir möchten wieder vermehrt die Wochenende tatsächlich als Familie nutzen. Nichts erledigen wie Einkäufe, Wertstoffhof oder Hausputz. Wir möchte auf den Spielplatz, an den Lech Stecken sammeln oder mal ins Schwimmbad. Und wem das im Alltag schwer fällt, dem kann ich nur empfehlen eine Reise zu machen. Wenn möglich für eine längere Zeit. Thailand bietet sich dafür gut an, weil das Leben dort günstig ist. Für die Übernachtungen habe ich zwischen 12-18 € gezahlt. Wir sind ausschließlich essen gegangen. Drei- bis viermal täglich. Gebraucht haben wir dafür zwischen 10-20 €. Beim Essen ist allerdings noch sparpotenzial vorhanden. Wenn die  Unterkunft einen Kühlschrank hat, kann man einige Mahlzeiten wunderbar selbst gestalten. Der Roller war mit vier Euro am Tag ebenfalls günstig und ansonsten haben wir nichts weiter gebraucht. Wenn man auch die Flüge vorzeitig bucht, kann man auch hier Schnäppchen machen.

Ich würde es also sofort wieder machen, auch alleine mit den Kids. Allerdings ist es als komplette Familie bestimmt doppelt so schön und entspannend.

Ein frohes Neues Jahr und Liebe Grüße,

Eure Jasmin

  1. Liebe Jasmin,
    ich habe mit einer Gruppe Frauen 1997 eine Ausstellung zum Thema Tragen mit umfangreichen Rahmenprogram organisiert.
    https://www.google.co.th/url?sa=t&source=web&rct=j&url=http://www.emmaus.de/paternoster/paternoster1_1997/1_1997_18.pdf&ved=0ahUKEwiTrvXY95zKAhVCkY4KHapYAikQFggbMAA&usg=AFQjCNHXBokmJsj8GVwJHAhjkJmmCYVA6A
    Wir haben uns damals über die Trageschule und dem Unitutorium KINDER DER ZUKUNFT zusammengefunden. Jean Liedloff hatte das Continuum Network gegrundet und da waren wir auch drin. Da stand ja auch der Clangedanke hinter, sich zu entlasten und den Alltag zu teilen.
    Wir waren eine super Gruppe und die Kinder kannten sich alle untereinander s:hr gut. Manche sind auch weiterhin beruflich mit dem Thema tragen verknüpft wie Bettina von der Trageschule NRW. Das war ein starkes Netzwerk. Wir haben auch heute noch Kontakt zueinander. Aber nach der Kleinkindzeit mit Berufstätigkeit und Umzugen hat sich das alles gelockert. Da ich ja den den direkten Vergleich durch meine zwei fruhen und meine zwei späten Kinder habe, glaube ich, dass es teilweise heute sogar schwerer ist, sich seinen Clan zu schaffen, wenn man nicht in einer Lebensgemeinschaft mit andern wohnt. Heute lastet ein hoher Druck auf viele Eltern, moglichst fruh wieder komplett im Arbeitsalltag mitzumischen. Mit Vollzeitjob und Kleinkindern ist es schwierig sich ein Netz aufzubauen. Ich erlebe viele Mutter heute als sehr gestresst. Das war fruher entspannter. Im Ruckblick ist die Zeit mit kleinen Kindern ja sehr kurz. Dadurch, dass eben die meisten mit ihren ein oder zweijährigen Kindern gerade nicht berufstätig waren, hatten wir viel Zeit uns zu treffen. Daran denke ich gerne zurück und das war fur mich als recht junge Mutter sehr wichtig. Da ist die Peergruppe ein wichtiger Rückhalt. Jetzt habe ich allerdings auch meinen Clan und zwar unseren ureigensten. Meine Brüder bzw ihre Frauen haben auch etwas später je 3 Kinder bekommen. Und wir treffen uns oft, fahren zusammen in den Urlaub und die Cousins und Cousinen übernachten beieinander. Es ist eine super Kindergruppe mit den 6Kleinen im Alter von 3 bis 11 und den 4 grossen Cousins im Alter von 16 bis 26. Unseren Kindern gibt das ein Gefuhl von Geborgenheit.
    Ich glaube, mit einem ganz normalen Arbeitsallag lässt sich es sich nicht so einfach organisieren, einen Clan auf Dauer zu haben. Da muss das ganze Leben sich mitbewegen, sonst schläft nach der Elternzeit mangels Zeit vieles wieder ein. Der Arbeialltag in unserer Gesellschaft ist nicht besonders clangerecht.
    Wir haben uns durch unsere Selbstständigkeit unsere eigene Arbeits- und Lebenswelt geschaffen. Das gibt uns viel Freiheit.
    Ich wünsche Dir viel Glück bei der Gründung deines Clan. Du hast vielmEnergiemund wirst es sicher schaffen.
    Liebe Grüsse Dagmar

    Antworten

  2. Hallo, liebe Jasmin.
    Vor der Kälte graut es mir auch schon. MeinenKleine sehnt sich allerdings schon sehr nach Berlin. Ich geniesse es noch sehr hier zu sein, aber je länger ich hier bin, desto mehr sehe ich auch die Schattenseiten in dem Paradies. Wir haben uns ja statt eines Mopeds ein Fahrrad gemietet und sind hier gerade die Exoten. Wenn ichnmmit meiner Kleinen auf dem Rucken im Maitai Fahrrad fahre, staunen selbst die Thais. Und der viele Müll, den auch wir als Touristen produzieren, macht mir schon zu schaffen. Meinem Mann bekommt leider die Hitze hier nicht so gut. So haben wir neben vielen schonen Momenten auch anstrengende Zeiten. Eure Gedanken uber den Clan erinnern mich an die Diskussionen mit meinen Freundinnen vor uber 20 Jahren bei meinen ersten Kindern. Eigentlich hat sich da noch nicht viel geändert. Wir waren damals das Zentrum der Trageszene. Tragen, Stillen usw ist immer noch wunderbar, aber das Leben geht immer weiter. Andere Themen werden wichtiger. Für mich ist das sowieso selbstverständlich und bei mir wird von anderen eh nichts mehr in Frage gestellt. Ich habe das alles schon mal durch. Ich bekomme einfach keine blöden Kommentare mehr. Einen lieben Gruss aus Ko Lanta

    Antworten

    1. Liebe Dagmar,
      das es auch im Paradies Schattenseiten gibt, ist mir durch die Bettwanzen bewusst geworden. Mich haben z.B. die Moskitos und auch der Müll gestört, der an einigen Ecken privat verbrannt wird. Aber so ist es eben, wir haben dagegen z.b. in Koh Samui unsere Wasserflaschen im Resort wieder aufgefüllt. Um eben den Plastikmüll zu verringern.
      Über eure Clangedanken schon vor über 20 Jahren würde ich mich gerne mal unterhalten 🙂
      LG und euch noch eine schöne Zeit, trotz Anstrengungen

  3. Kann ich alles sehr gut nachvollziehen. Ich wünsche mir auch schon lange so einen clan. Das wird mir vorallem immer wieder bewusst wenn wir von unserem alljährlichen Zeltlager zurückkommen. Wir treffen uns nämlich einmal im Jahr mit Freunden, da sind immer auch ganz viele Kinder dabei. Gerade dass jeder „mal ein Auge drauf hat“ erleichtert alles ungemein. Die größeren Kinder sind schon in einem Alter in dem sie sich auch mal gerne um die kleinen kümmern. Den ganzen Tag können die Kids sich frei in der Natur bewegen und frei spielen. Das tut allen immer so gut. Diese kleinfamilienisolation kommt mir dann auch immer besonders absurd vor. Wochen lang vorher ein 2 Stunden treffen vereinbaren, das kenn ich. Es gibt nur ein paar mit denen man sich auch mal spontan treffen kann. Und auf dem Spielplatz trifft man nur zw 16.30 und 18.00 uhr mal jemand und nur bei schönem Wetter im Sommer. Und wie oft kommt das vor? Wir fahren jetzt erst mal ein paar Wochen auf die kanaren um dem ganzen mal zu entfliehen. Auch dort merkt man schon wie anders mit Kindern umgegangen wird. Sie sind kein Störfaktor sondern jeder freut über sie.

    Antworten

    1. Vielen Dank für deinen Kommentar. Ich kann alles so gut nachfühlen. Ich wünsche eine wunderbare Zeit auf den Kanaren.

  4. Vielen Dank für deinen tollen Beitrag, das klingt ganz wundervoll 🙂
    Jetzt interessiert mich nur, wie du zu dem Clan gekommen bist? Habt ihr euch alle zum gemeinsamen Urlaub verabredet? Oder dort kennengelernt?

    Antworten

    1. Hallo Kathrin,
      wir haben uns nicht direkt verabredet. In einer Gruppe in Facebook habe ich vermehrt von reisenden Familien gelesen und dann Kontakt aufgenommen. Durch einen gezielten Post habe ich auch Kontakt gesucht. Vor Ort habe ich dann auch Familien kennen gelernt, die aus Israel oder Russland waren. Das ist das schöne wenn man mit Kindern Urlaub macht- man kommt schnell ins Gespräch und die Kids spielen mit jedem.
      Die deutschen Familien haben dann einfach gepasst – wir haben uns kennen gelernt und harmoniert. Mein wirklicher Glücksfall.
      Hast du auch vor Urlaub zu machen
      Liebe Grüsse

  5. Hallo zusammen sehr spannender artikel vorallem für mich wo ich im Februar mit meinem Sohn 4 Jahre nach Thailand will u immer noch nach der perfekten Unterkunft suche , dort wo auch andere Familien mit Kindern vermehrt Urlaub machen. Habt ihr einen Tipp für mich ? Gern auch mit Yoga Möglichkeit perfekt mit Kinder Yoga Angebot dazu habe ich nämlich nichts gefunden Liebe Grüße Diana

    Antworten

    1. Hallo Diana, oh wie schön. Wo hast du vor in Thailand Urlaub zu machen. Auf Koh Phangan gibt es an der Westküste einige Yoga-Centers, in Srithanu. Ob diese auch für Kinder geeignet sind, weiss ich leider nicht. Ich habe Kontakt über Facebook zu Familien gefunden. Allerdings auch direkt vor Ort. Ich wünsche euch eine sehr wundervolle Zeit und ganz viel Entspannung. Liebe Grüsse

  6. Frohes Neues euch! Schön, dass ihr gut gelandet seid.

    Gute Gedankengänge dabei 🙂
    Zitat:“Es ist nur etwas aufwendiger, weil er nicht wie früher einfach vorhanden ist.“ Ja, auch. Und weil die Ansichten zu Erziehung und sozialen Umgang anders geworden sind. Vielfältiger. Und tolerieren und akzeptieren irgendwie immer schwerer fällt- ich finde es oft mühsam, immer wieder zu erklären, warum wir tragen oder ich mehr als 6 Monate stille oder meinem Kind auf Augenhöhe begegnen will usw… Das ist schade und führt auch oft zu der häufig ungewollten Isolierung.

    Aber rausgehen tun wir auch soo oft und viel es geht. Und wenn Beeren dabei zu finden sind, ist das noch besser 😀 Ach ja, Wochenende und speziell der Sonntag sind bei uns immer Familientage. Wenn an den Tagen, die wir mal zusammen haben, nicht etwas zusammen machen, wann dann?

    liebe Grüße

    Antworten

    1. Hallo liebe Jule,
      danke für deine Gedanken. Du hast völlig recht, durch unsere eigenen sehr konkreten Vorstellung wird es wirklich schwer, passende Familien in der Umgebung zu finden. Mein Tipp an der Stelle, bei sich bleiben. Nicht so sehr über andere nachdenken und sich auch nicht für seinen Weg rechtfertigen. Einfach ein Miteinander durch größtmögliche Toleranz zu lassen.
      Ganz liebe Grüße und einen schönen Start ins Jahr 2016

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.