Frakturversorgung mit winkelstabiler Platte

Leben in der Kribbelzone

„Mina, pass bitte auf! Warte! Nicht so schnell! Bleib da vorne aber bitte stehen!“

Wer kennt diese oder ähnliche Sätze nicht auch. Wir haben ein Kind auf die Welt gebracht, übernehmen Verantwortung für dieses Neugeborene und Schutz suchende Wesen. Doch dann wächst das Kind heran, wird mutig, probiert Dinge ohne uns aus und wir werden vom Beschützer zum Beobachter und gegebenenfalls Tröster.

Was macht mich in manchen Situationen entspannt? Vielleicht die Tatsache, dass ich selbst als Kind ein „Kamikaze“ war. Ich bin auf fast alle Bäume geklettert, keine Matschpfütze war vor mir sicher und mit dem Rad entdeckte ich unser Dorf in- und auswendig.

Ich sollte dazu noch erwähnen, dass ich mit sechs Jungs aufgewachsen bin. Wir wohnten bis zur Trennung meiner Eltern in einem Mehrgenerationenhaus, wo fünf von meinen insgesamt zehn Cousins wohnten. Mein großer Bruder war natürlich oft mein Spielgefährte.

jasmin-2jahre-bein-gebrochenSo sehe ich tagtäglich in Mina, den Mut und die Wissbegierigkeit von mir selbst als Kind. Wie ich eben als Kind war. Meine Mutter hatte es nicht ganz einfach mit mir als „Draufgängerin“. Schon mit knapp zwei Jahren habe ich mir als erstes mein rechtes Bein gebrochen, beim Sprung von der Eckbank (welches Kind springt nicht von einer Eckbank?) Meine Mama erzählt die Geschichte noch heute, dass die Ärzte dreimal das Becken geröntgt haben, weil sie unsicher waren, ob es auch gebrochen war.

Den Gips hatte ich wohl sechs Wochen und bin in dieser Zeit auf dem Popo gerobbt.

jasmin-6jahre-arm-gebrochenEs folgten allerdings noch weiter Brüche: mit sechs Jahren der rechte Arm und die Nase, beim Klettern vom Hochbett, in der Schulzeit beinahe alle zehn Finger (natürlich nacheinander) bei sämtlichen Ballsportarten wie Fussball, Basketball etc. Das Schlüsselbein bei einem Radunfall, weil ein Auto mich übersehen hat und dann beide Handgelenke im Alter von 22 beim Snowboarden (besser gesagt beim hinsetzen – mitten auf einer Eisplatte). Es ist alles wieder gut verheilt. Nichtsdestotrotz hat mich meine eigene Geschichte im Bezug auf den Umgang bzw. Freiraum für Mina sehr geprägt. Ich habe zumindest das Gefühl, in den meisten Situation entspannt zu sein. Ich vertraue auf ihr Gefühl für ihre Kribbelzone. Ich versuche ihr den nötigen Freiraum zu bieten, damit sie sich einschätzen lernt und weiß, was sie schafft und wo sie etwas langsamer werden sollte.

Letztendlich habe ich mich auch in dieser Thematik belesen – wenn mich etwas wirklich interessiert, suche ich häufig dazu passende Literatur und das Buch – Mut: Wie Kinder über sich hinauswachsen – von Nicola Schmidt war noch mal eine schöne Zusammenfassung. Sehr lesenswert.

Jedes Kind und jedes Elternpaar ist natürlich individuell und jeder Mensch ist bis zu seiner persönlichen Grenze mutig, und das ist auch gut so. Jedoch sollten wir versuchen in unserer doch sehr technisierten, industrialisierten Internetgesellschaft unseren Schützlingen Entfaltungsspielräume zu bieten. Spielplätze, der Wald oder aber auch die Entdeckungsreise in der Stadt.

Was sind euere Erfahrungen mit Kindern und ihren Experimenten? Wie geht ihr mit den Grenzen um?

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